12.08.14

Review des Böker Plus Urban Survival Messer

1. Vorgeschichte

Vergangenen Freitag saß ich in der WG meines guten Freundes, des Franzosen, und feierte den Geburtstag eines seiner Mitbewohner, der mir nur sehr, sehr flüchtig bekannt ist. Die WG des Franzosen ist eine stets pikobello gehaltene Angelegenheit, und als er da einzog, war er der einzige Nicht-Lehrämtler dort. Er kam als Zwischenmieter des kleinsten Raums, und zieht seitdem, Monopoly-Style, immer ein Zimmer weiter, wenn der nächste Lehrämtler oder die nächste Lehrämtlerin ihr Auslandssemester in Sonstwo antritt.

Genau in dieser WG hatte ich vergangenen Februar mein Böker Urban Survival-Messer verloren. Zu der Zeit hatte ich mir den linken Ellbogen angebrochen und trug den Arm wochenlang geschient in einem unmöglichen Winkeln. Da ich erst garnicht versuchen wollte, meine Hand viel zu bewegen, waren meine Fingernägel auf Krallenlänge angewachsen, und um nicht ganz wie ein Ghul zu wirken, musste ich mir alle paar Stunden den Schmutz darunter rauskratzen.
Wir hatten an jenem Abend bei dem Franzosen ein Film gesehen (Spike Jonzes "Her"), und ich erinnere mich, wie mir schon im Treppenhaus aufgefallen war, dass mein Messer noch oben liegt. Ich war zu faul, die sechs Stockwerke wieder hochzuhechten - und als ich das nächste mal vorbei schneite, war das Messer verschwunden.

Sechs Monate später also tummelte ich mich auf besagter Geburtstagsparty im Raucherzimmer, traf bekannte Gesichter wieder und bestrahlte den Raum mit meiner absurd guten Laune. Die Studentin, deren Zimmer der Franzose bis zu dem Zeitpunkt bewohnt hatte, war gerade wieder aus Kanada zurück gekehrt, und obwohl ich sie nicht sonderlich leiden kann, sprach ich sie dennoch voller Hintergedanken an: "Du bist ja jetzt wieder in deinem Zimmer... und ich wollte nur sagen, falls du mal beim Putzen so ein kleines schwarzes Messer findest, das aussieht wie ein Kugelschreiber-"
"Das ist deins," fiel sie mir fragend ins Wort.
"Ja! Du hast es gefunden?"
"Gestern beim Putzen... kuck mal in der Küche, auf der Fensterbank, da hab ich es hingelegt... und wir haben uns schon gewundert, wer zum Teufel so etwas krankes besitzen könnte!"

Weiter kam sie nicht. Mein Gesicht muss sich in ein riesiges, gelbes Smiley verwandelt haben, und wie ein Kind an Weihnachten sprang ich auf, drückte mich durch den Flur und die Fressflash-Szenen in der Küche, schob mich durch... und da lag es! Mein Schatz!

2. Technische Details

Das aus Solingen stammende Böker Plus Urban Survival Knife (auch "Wagner Urban" genannt, Katalognummer TK047 - im Folgenden der Einfachheit halber als "Urban Survival" abgekürzt), ist ein "tacitcal" (oder "tacti-cool") Einhandmesser mit Tanto-Klinge. 
Zitat von der Böker-Webseite:
Mit einer Gesamtlänge von 14,4 cm und einer Klingenlänge von 4 cm bietet das Urban Survival trotz seiner Kompaktheit eine ausgezeichnete Ergonomie bei hervorragendem Tragekomfort. Die schlanke Bauweise und die skalpellartige Klinge aus 440C bieten maximale Kontrolle. Der auswechselbare Glasbrecher vervollständigt die Ausstattung dieses ungewöhnlichen Werkzeuges. Inkl. Hosenclip und verschraubtem Klingenlifter. Verriegelung per Liner Lock. Ges. 14,4 cm. Kl. 4 cm. Stärke 2,5 mm. Gew. 27 g.


Das Messer existiert in mehreren Farbvarianten: Im Internet kursieren Bilder von verschieden lackierten Klingen; wer nicht auf das taktische Schwarz setzen möchte, findet zum selben Preis auch eine Oliv/Braun "getarnte" Variante.

Mir persönlich war Jim Wagner vor dem Kauf kein Begriff, aber so wie ich das verstehe ist er Lehrer für Selbstverteidigungstechniken, weswegen er von Böker mit dem Design einer ganzen Reihe von "Reality Based Blades" beauftragt wurde. Das Urban Survival ist das mit Abstand kleinste - und erschwinglichste - Messer dieser Reihe. Was es mit der Bezeichnung "Reality Based" auf sich hat und wie sich diese Klinge im täglichen Gebrauch einsetzen lässt, dazu gleich mehr.

3. Features

Das offensichtlichste Feature dieser Waffe ist die hochwertige, gut 4 cm lange, im Tanto-Stil geformte Klinge. Die Tanto-Form stammt ursprünglich aus dem feudalen Japan und verfügt aufgrund ihrer in geraden Linien geschmiedeten Spitze ausgezeichnete Durchdringungskraft beim Zustoßen - was diesen Typ Klinge mehr zu einem Dolch als zu einem Messer im klassischen Sinn macht. Das Prinzip dieser Waffen lässt sich bis in das 8. Jahrhundert zurück verfolgen, wo sie zur Standard-Ausrüstung eines Samura gehörten - bis sie ab etwa dem 12. Jahrhundert von der Katana-Form abgelöst wurden.

Tanto-Klingen können auf einer oder zwei Seiten eine Schneide besitzen; das Urban Survival ist einseitig geschliffen - und ich rate jedem Käufer davon ab, daran etwas ändern zu wollen! Die Klinge unterteilt sich in drei Bereiche: Die unteren drei Fünftel werden von einer leicht gebogenen, sichelartigen Klinge dominiert, die in einem stumpfen Winkel in die eigentliche Hauptschneide von circa 1,9 cm übergeht - der "Skalpell"-Teil, den der Werbetext betont. Diese Klinge endet in einer hochgradig fiesen Spitze - die vielleicht spitzeste Spitze, die ich persönlich je an einem Messer hatte. Selbst wenn man Pech hat und ein von Werk aus nicht gut geschärftes Exemplar erhält - die Spitze ist bereits out of the box brutal.



Fabrikneu kommt das Messer mit einer schwarzen Schutzlackierung, mit deren langsamem Abbrökeln man rechnen muss. Messer-Reviews im Internet sind in diesen Tagen voller Klagen und Gejammer, weil solche Schutzschichten auf keiner Klinge ewig halten - was glauben diese Leute bloß? Dass die Messer heute aus schwarzem Stahl gefertigt werden? Würde man "taktisch" argumentieren, könnte man sagen, dass die Klinge ohne diese Farbe mehr Licht reflektiert und deswegen leichter gesehen werden kann - so what? Sie ist 4 cm klein! 
Ähnliches gilt für den Aluminium-Griff des Messers: Auch er ist nur mit einer Farbschicht überzogen, die aber deutlich resistenter zu sein scheint; mein zweieinhalb Jahre altes Exemplar hat solchen Farbverlust praktisch nur an den Stellen, die beim Tragen in der Hosentasche am meisten Abrieb erfahren.



Besagter Alumium-Griff ist an sich ein weiteres Feature - und hier kommt der "Reality Based"-Aspekt zum Tragen: Die Klinge ruht zwischen zwei tropfenförmig-spitz zulaufenden Backen, die, wenn das Messer geschlossen ist, fast einen Centimeter überstehen. Das macht das Urban Survival zu einer idealen Druckpunkt-Waffe im Stile eines Kubotans - ohne je in der Situation gewesen zu sein würde ich sogar behaupten, dass es effektiver wäre, einen potentiellen Angreifer mit diesen Aluminium-Backen ungezielt zu traktieren als zu hoffen, mit der Klinge irgendeinen verwundbaren Punkt zu treffen. Machen wir uns nichts vor: Das hier ist kein Kampfmesser, außer man befindet sich auf einem Gefängnishof - und die Shiv deines Gegners ist ein auf Beton scharf geschliffener Plastiklöffel.


Aber ich komme vom Thema ab. Öffnet man die Klinge vollständig, rastet ein im inneren liegendes Liner Lock ein, das sich unmittelbar unter besagten Backen befindet. Dies ist die dünnste Stelle des Messers - und verwantwortlich sowohl für die wirklich beeindruckende Ergonomie und den sexy, insektoiden Gesamtlook. Die Verriegelung hat mich bis heute noch nicht im Stich gelassen - nur muss man aufpassen, dass man beim Reinigen nicht zu großzügig ölt, da sonst das Schloss nicht richtig einrasten wird und man bei der nächsten Gelegenheit eine Tanto-Schneide im Zeigefinger stecken hat.



Abgerundet wird das Urban Survival durch drei nette, optionale Features: Zum einen lässt sich ein Clip beidseitig montieren (für Rechtshänder empfehle ich, ihn auf die Seite mit den Schrauben anzubringen, da dies die ohnehin bereits gute Ergonomie noch mehr fördert). Die Klingenlifter, die für die einhändige Öffnung benötigt werden, lassen sich demontieren - was, je nach lokaler Rechtslage,
nützlich sein kann, um bei polizeilichen Kontrollen nicht in Erklärungsnot zu geraten. Last but not least lässt sich das hintere Ende des Messers austauschen; im Lieferumfang enthalten sind ein stumpfes, als Glasbrecher deklariertes Ende sowie ein zylindrisches Ende, das die hintere Kappe eines Kugelschreibers immitieren soll. Zum Anbringen bzw. Ändern dieser Teile werden zwei Werkzeuge benötigt, die beide im Lieferumfang enthalten sind.

4. Service und Pflege

Das Messer lässt sich mittels der beiden mitgelieferten Werkzeuge komplett demontieren & zerfällt in 13 Teile - was nützlich ist, um einmal im Jahr Staub, Schmodder und Fett aus dem inneren zu reinigen. Eine Hülle o.ä. liegt nicht bei - aber das würde auch dem Sinn widersprechen. Wer Korrosion vorbeugen möchte und die Schrauben im inneren ölt, sollte, wie bereits angesprochen, vorsichtig sein, dass das Liner Lock anschließend noch sicher hält.

Eine Warnung allerdings zum Thema Schärfen: Im Idealfall kommt das Messer bereits "messerscharf" von Haus aus, denn vor allem der abgerundete Teil der Klinge lässt sich kaum mit Schleifsteinen behandeln. Die einseitige Klinge sollte auch nicht in ein Schleifgerät gesteckt werden, das auf beiden Seiten gleichzeitig schärft - also vorsicht, wenn ihr das Ding euerem Vater in die Hand drückt & der es zu gut mit euch meint...

Ich habe mir angewöhnt, das Messer alle paar Monate auf der Rückseite meines Gürtels abzuziehen, etwa im Verhältnis 3:1 für Vorder- und Rückseite. Mit einem Gürtel kommt man auch noch am ehesten in die Rundung rein, ohne Schaden anzurichten - denn die Rundung ist wichtig! Bei den meisten Alltagsanwendungen, für die man ein Messer braucht, wie Pakete öffnen oder Karton durchtrennen, ist es die Rundung, die die meiste Kraft und den besten Winkel aufbringt.

5. Legalität

Ich konnte mir das Ding, wenn ich mich richtig erinnere, einfach bei Amazon ordern, ohne irgendwelche Altersnachweise oder dergleichen erbringen zu müssen. Dennoch muss man im Hinterkopf behalten, dass unsere glorreiche Regierung in ihrem nicht enden wollenden Bestreben, Deutschland zu einer sicheren und handzahmen US-Kolonie zu machen, vor einigen Jahren das "Führen" von so ziemlich jedem Messer zu einer strafbaren Handlung erklärt hat. 

Zitat Gesetzgeber:

§ 42a Verbot des Führens von Anscheinswaffen und bestimmten tragbaren Gegenständen
(1) Es ist verboten
1. Anscheinswaffen,
2. Hieb- und Stoßwaffen nach Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 2 Nr. 1.1 oder
3. Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm zu führen.
(2) Absatz 1 gilt nicht
1. für die Verwendung bei Foto-, Film- oder Fernsehaufnahmen oder Theateraufführungen,
2. für den Transport in einem verschlossenen Behältnis,
3. für das Führen der Gegenstände nach Absatz 1 Nr. 2 und 3, sofern ein berechtigtes Interesse vorliegt.
Weitergehende Regelungen bleiben unberührt.
(3) Ein berechtigtes Interesse nach Absatz 2 Nr. 3 liegt insbesondere vor, wenn das Führen der Gegenstände im Zusammenhang mit der Berufsausübung erfolgt, der Brauchtumspflege, dem Sport oder einem allgemein anerkannten Zweck dient.

Ist dies das vielleicht lächerlichste Gesetz in der Geschichte des Post-9/11-Rechtsstaats? Gut möglich. Im Grunde macht es die meisten guten Taschenmesser illegal - selbst mein Leatherman hat eine "einhändig feststellbare Klinge"!
Schäuble hat in Interviews betont, dass dies ein "opportunistisches" Gesetz sei - also die Art von Gesetz, vor der wir nicht alle gleich sind. Möchte dich die Polizei ficken, hat sie damit eine großartige juristische Grundlage. Ironischerweise hat der Gesetzgeber auch verlautbaren lassen, dass "Selbstverteidigung" kein "allgemein anerkannter Zweck" für ein Messer sei. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da alle Gewalt laut der Philosophie der BRD "vom Staat ausgeht", ist die Definition eines Verbrechers demnach, wer Gewalt in die eigene Hand nimmt - sicher ein tröstender Gedanke, wenn man auf dem Nachhauseweg von ein paar Freaks aufgemischt wird. 


Das Urban Survival kann also doppelt als "illegal" eingestuft werden, wenn euch ein Ordnungshüter irgendwie dran kriegen möchte: Es kann sowohl eine "Anscheinswaffe" sein (da, je nach Konfiguration, wie ein Stift aussehend) als auch eine einhändig feststellbare Klinge, völlig egal, dass sie nur 4 cm lang ist. Man hat zwei Optionen, wie man damit umgeht: Entweder schmeißt man es weg, wenn man in eine Kontrollsituation gerät - oder man benutzt die mitgelieferten Tools, um den Klingenheber und die Stift-Kappe von vorne herein zu entfernen. Beides ist wenig sinnvoll: Schon mit dem Klingenlifter ist es für einen ungeübten Benutzer friemelig genug, die Klinge zu öffnen - und das optionale "Glasbrecher"-Ende ist bloß eine nette Geste: Wer damit versucht, nach einem Unfall eine Glasscheibe einzuschlagen, hat es verdient, sich die Hände aufzuschlitzen. 

6. Einsatz und Nutzen

Ich kam über Umwege zum Urban Survival. Eigentlich war ich bloß auf der Suche nach einem schönen Taschenmesser mit Tanto-Klinge, das sich in meinem Preisniveau befindet. Seit Jahren bin ich scharf auf das KM 2000 (ebenfalls aus Solingen), das die Bundeswehr nach und nach adaptiert - doch die Preise dafür bewegen sich auch im dreistelligen Bereich, wenn man nicht gerade scharf ist auf die Restbestände der eingestampften ersten Auflage mit minderwertigerem Stahl.

Jedenfalls stöberte ich nach Tanto-Klingen & googlete in meinen ersten Wochen nach dem Umzug nach Berlin den Begriff "Urban Survival" - so führte wohl eines zum anderen. Kombiniert mit meiner angeborenen Liebe zu technischem Gizmos und kleinen Gimmicks verliebte ich mich rasch in das Konzept - und da mein Sternzeichen Skorpion ist, hielt ich es für hochgradig passend, einen kleinen "Stachel" zu haben. 


Was uns zur Frage führt - ist dies eine Selbstverteidigungswaffe? Sagen wir so: Niemand möchte in eine Situation geraten, in der er sich mit so etwas verteidigen möchte; es siedelt nur eine Stufe über "mit Zähnen und Fingernägeln kämpfen". Doch wie bereits angedeutet ist dieses Teil eine erstklassige Druckpunktwaffe - bei der, im Prinzip, die volle Wucht eines Hammerschlags auf die zwei Backen des Griffs konzentriert wird. Die Idee ist, damit ungezielt zuzuschlagen, um den natürlichen Schutzreflex eines Angreifers zu aktivieren: Hände und Augen vor Hals und Gesicht plus Abdrehen des Körpers. Denn genau das will man: Druckpunktwaffen tuen auf den "gepanzerten", knochigen Stellen des menschlichen Köprers, die wir zum Schutz vorhalten, nur umso mehr weh. Überlädt man die Schmerztoleranz eines Angreifers, bringt man ihn aus dem Konzept.

Gegenfrage: Ist dies eine Angriffswaffe? Genauso wenig. Mit einem Kleiderbügel könnte man wahrscheinlich mehr Schaden anrichten! Dennoch muss betont werden, dass Wagner mit seinem "Reality Based"-Konzept zumindest diese Möglichkeit berücksichtigt hat; das Messer verfügt zwar nicht über einen Fingerschutz im klassischen Sinne, aber die gesamte Ergonomie des Griffs scheint darauf ausgelegt zu sein, beim Zustoßen nicht selbst nach vorne in das Messer reinzurutschen.

Sollte ich das Urban Survival klassifizieren, würde ich es als James Bond-Waffe bezeichnen: Getarnt, subtil, nützlich. Die Art von "Waffe", die einen davor retten könnte, in ein Becken voll mit Lasern bestückten Haifischen herabgelassen zu werden...

In den zweieinhalb Jahren, die ich es nun verwende, kam ich nie in eine Verteidiungs- (oder Haifisch-)Situation. Was aber andere Gründe hat: Ich bin Anhänger der Sun Tzu-Philosophie, das man Schlachten gewinnt, bevor man sie führt - und die besten Kämpfe diejenigen sind, die nie statt gefunden haben! Ich habe erkannt, dass es in dieser kaputten Welt, die wir uns in den letzten 13 Jahren geschaffen haben, weitaus erstrebenswerter ist, wie ein "Täter" zu wirken als wie ein "Opfer" - nichts gegen "Opfer", aber mit selbstsicherer Körpersprache, Rhethorik, gutem Augenkontakt und der richtigen inneren Haltung hat man bereits mehr für seine Selbstverteidigung getan, als man durch Stahl und Aluminium je wieder wett machen könnte.

Dennoch bin ich paranoid - und rede vor allem auf meine weiblichen Freunde und Bekannte immer wieder ein, sich doch bitte irgendeine Form von Schutz zu besorgen, und sei es nur ein Pfefferspray. Würde ich das Urban Survival einer Frau empfehlen? Irgendwie schon. Ich habe riesige Hände, weswegen dieses Messer für mich nur bedingt einsatzbereit ist. Für kleine Hände ohne Training ist dieses Teil Gold wert... auch wenn es, zugegeben, wohl kaum "abschreckende" Wirkung hat... bis sich 4 cm 440C-Stahl seitlich in die Luftröhre eines Möchtegern-Vergewaltigers rammen...

Nach Aussagen so ziemlich aller meiner Freunde gehöre ich zu der Sorte von Mensch, die sich zu viele Sorgen machen - ein Kopfmensch eben. Aber ich stehe auf den Selbsterhaltungs-Gedanken. In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt...

7. Fazit

Die Unverbindliche Preisempfehlung für das Böker Plus Urban Survival beläuft sich mittlerweile auf knapp 50 Euro - ein Preis, den ich, ehrlich gesagt, dafür nicht bezahlen würde. Mein Exemplar hat, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, knapp 36 Euro gekostet - in dieser Preisklasse kriegt man bereits vernünftige Messer, die weitaus mehr Alltagstauglichkeit, Legalität und vor allem Stahl mitbringen. Tut einem Geld nicht weh oder hat man einen günstigen Anbieter gefunden, sollte man allerdings zuschlagen. Und ich garantiere: Jeder Messerfreak würde sich freuen, so etwas geschenkt zu bekommen!


Ich mag das Urban Survival - bis ich es verloren habe trug ich es praktisch täglich bei mir. Ich mag diese tausend kleinen Situationen, in denen es praktisch ist, ein Messer zur Hand zu haben. Aber seien wir ehrlich: Ein Messer ist entweder so groß, dass man es keineswegs automatisch einpackt, ehe man das Haus verlässt; oder es ist schwer genug, dass man es lieber in einer Tasche oder einem Rucksack transportiert. Dieses Exemplar passt in die Hemdtasche... und wird schnell zu einem Begleiter, auf den man sich verlassen kann. Sieht man von den offensichtlichen Nachteilen ab, kriegt man genau das, wofür man zahlt: Ein stylisches Werkzeug mit hochgradig durchdachtem Design, das das urbane Überleben deutlich erleichtert.

20.07.14

Skarabäus


Trage die Sonne auf die Erde!
Du Mensch bist zwischen Licht und Finsternis gestellt. 
Sei ein Kämpfer des Lichts!
Liebe die Erde!
In einen leuchtenden Edelstein verwandele die Pflanzen!
Verwandele die Tiere!
Verwandele dich selbst!

[Altpersischer Spruch]

18.07.14

Ladies, wir müssen reden (Liebe in Zeiten der Gender-Studies)

Ladies, wir müssen reden.

Es gab Zeiten, da bestand meine Leserschaft praktisch exklusiv aus jungen Frauen… meine Anhängerinnen, meine Stalkerinnen, meine eigene kleine Manson-Family… doch wie mir die Kommentare, das Feedback - und nicht zuletzt Google Analytics immer wieder schmerzlich vor Augen führen, sind diese glorreichen Tage lange vorbei.

Als geborener Gentleman suche ich natürlich den Fehler bei mir: Ist meine Themenwahl zu Gender-spezifisch? Diskriminiere ich gegen weibliche Leser, weil mein Leben (zugegebenermaßen) gerade so arm an… dauerhaften weiblichen Einflüssen ist? Was genau sollte eine Leserin hier auch erstrebenswertes finden, außer Einblicke in den Untergang des deutschen Journalismus?

Zumal mir neuerdings die traurige Ehre anheim fiel, unter Deutschlands Top-Suchergebnissen für "Die Kumpelfalle" zu sein - ein Phänomen, von dem sich manche Frauen noch immer weigern, seine Existenz überhaupt einzugestehen. Aber wenn ich mit dem Text damals einem Kerl helfen konnte, auf den rechten Weg zurück zu kehren, vielleicht findet eine Googlerin irgendwann mal diesen Text & nimmt die eine oder andere Inspiration mit.

Ich geb's ja zu: Ich bin seit 2 1/2-Jahren Single… und Berlin gab mir eine erschreckende Perspektive auf weibliches Paarungsverhalten im 21. Jahrhundert. Aber wurde ich dadurch zu einem latenten Frauenfeind? Ist Rum Itself sexistisch? Bin ich ein patriarchaler Chauvinist, der kastriert gehört?

Eine Beweisaufnahme:


(1) Quoten & Sexismus

"Du bist die schlimmste Art von Sexist überhaupt," keifte mich letztens eine (nun ehemalige) Freundin an, als sie am Ende einer minutenlanger Szene von der Bierzelt-Bank neben mir aufsprang, um ihrer weinenden Freundin nachzulaufen, "du bist ein naiver Sexist!"

Das Gespräch war zuvor detoniert… es ging erst um's Single-Dasein in der Hauptstadt, dann um die Hochzeit einer gemeinsamen Bekannten, dann um die Frauenquote in deutschen Führungspositionen… und auf einmal schrie eine der beiden Frauen einen der anwesenden Kerle zusammen, der ihr eigentlich in der Debatte beistehen wollte… ich hatte sie nämlich in eine argumentative Ecke gedrängt und keine Anstanden gemacht, sie die Debatte aus lauter Höflichkeit gewinnen zu lassen.

Ich bin gegen jegliche Form von Diskriminierung, positiv wie negativ, und eine Frauenquote ist für mich Diskriminierung.
Und, ehrlich gesagt, fand ich es schon ein bisschen vermessen, dass zwei solvente, karriere-orientierte Frauen sich an einem Tisch voller missmutiger Single-Kerle darüber aufregen, "wie schwierig Frauen es halt immer noch in vielen Bereichen haben."

Andererseits: Scheiß auf ihre Meinung! Ich kenne die Frau mein halbes Leben - und ich kenne ihre "moralischen Überzeugungen": Sie ist ein bekennender Sozialdarwinist und bezeichnet sich selbst stolz als "skrupellos". Was soll ich sagen? Jeder sollte kriegen, was er verdient.


(2) Es gibt kein Patriarchat!

Liebe Leserinnen, ich fürchte, das wird die am schwierigste zu glaubende Botschaft dieses gesamten Textes sein: Es gibt kein Patriarchat. Ehrlich! Wir Männer haben wirklich keine Verschwörung am Laufen. Wir warten nicht, bis ihr endlich alle aus dem Zimmer seid, nur um uns dann abzusprechen, zu lästern, euere Fehler zu debattieren.
*hüstel*
Womöglich tuen Frauen, als allgemein gedachte Gruppe, das ja ab und zu über Männer… tauschen sich aus, synchronisieren sich, stellen Konsens her. Da haben wir ja auch kein Problem mit! Wir haben uns arrangiert! 
Aber glaubt uns doch bitte: Wir haben es nicht auf euch abgesehen! Niemand will die Frauen unterdrücken! Wir High-Fiven uns nicht über Vergewaltigungs-Stories, im Gegenteil. Dein durchschnittlicher männlicher Kumpel würde wahrscheinlich selbst seinem besten Freund die Nase brechen - rein aus Reflex - wenn dieser auch nur anfangen würde damit anzugeben, eine Frau misshandelt oder missbraucht zu haben.

Aber hält das Frauen von irgendwas ab? Gibt es überhaupt irgendeine soziale Verpflichtung für Frauen, Männer zu respektieren, nicht zu manipulieren, sie nicht auszubeuten - polemisch gesagt, gibt es eine soziale Verpflichung für Frauen, ihren "Titten-Bonus" nicht einzukassieren?
Nö.
Wir leben nun in der "Dritten Welle des Feminismus"… oder eher in der "Dritten Tag-Cloud des Feminismus"… und wir haben erfolgreich die meisten Formen männlicher Dominanz als altmodisch, sexistisch, frauenfeindlich und geschmacklos stigmatisiert. Sind Frauen heute zufriedener als vor drei Generationen? Wer weiß?
Aber legen Frauen heute noch das selbe Verhalten an den Tag wie vor drei(hundert) Generationen? Worauf du wetten kannst! Emanzipation und Feminismus nutzte das männliche Potential zur Veränderung und Anpassung voll aus - zog eine Generation verantwortungsloser Waschlappen heran, die ihr Geld im Sitzen verdienen und so viel Respekt vor Frauen haben, dass sie Panikattacken verspüren bei dem Versuch, überhaupt mit ihnen zu reden.
Im Gegenzug konnten wir aber nicht beobachten, dass der Feminismus verantwortungsvoller wurde, je mehr Macht er erstritt. Geschweige denn, dass sich der Feminismus mal den innergeschlechtlichen Attavismen der Frau angenommen hätte… addiert man alles "was Frauen in einem Mann haben wollen" zusammen, kommt man nicht auf einen lebensfähigen Organismus.

Wird es in unserer Gesellschaft irgendwie angefeindet, wenn eine Frau sich einen Harem aus "guten Kumpels" hält - wohlwissend, weswegen die ihre Nähe suchen - und diese Jungs methodisch für sich einspannt?
Haben wir überhaupt ein Konzept dafür, dass die psychologische Gewalt, die du einem Kerl antun kannst, am Ende nichts anderes ist als eine emotionale Vergewaltigung - in Zeitlupe?

Was dieser ganze Patriarchats-Subtext mit sich brachte ist ein gottverdammter Generalverdacht, unter den wir Kerle gestellt wurden: Typisch Mann! 
Jaaaaa…. aber "Typisch Mann" hat uns allen, so als Gesamtspezies, bis dato gut geholfen… so vom ersten Speer bis zur ISS… also, please, show us some love!

"Frauen sind notorisch unzufrieden," meinte einer meiner Mitbewohner gestern. Wir hatten über das Thema debattiert, und er hatte von der Situation bei IT-Konferenzen berichtet. Frauen, sagt er, seien dort - wie in vielen MINT-Fächern, schätze ich - unterrepräsentiert, als Sprecherinnen. Aber als dann letztens eine Konferenz in besonders grellen Tönen gelobt wurde, weil sie ein exaktes 50:50 Verhältnis der Sprecher erreicht hatte, stieß ihm das irgendwie auch auf: "Ich fragte mich halt… haben die dafür jetzt Leuten abgesagt, ohne ihre Themen zu berücksichtigen, nur um auf Hängen und Würgen diese Zahlen zu erreichen? Und warum soll eine technische Konferenz nun besser sein als alle vorherigen, bloß weil mehr Frauen sprechen werden als sonst?"

Ich zuckte mit den Schultern. Ich komme aus den Geisteswissenschaften… und von dort brachte ich die starke Überzeugung mit, dass Frauen weitaus besser studieren, lernen und diszipliniert arbeiten können als der durchschnittliche Kommilitone… dies aber wieder dadurch völlig aufgerieben wird, dass sie sich bei wichtigen Präsentationen oder Veranstaltungen in der Vorbereitung zu verlieren drohen. 
Präsentationen, offenes Reden, Referate… die Freundin meines Mitbewohners stimmte mir zu: "Wir machen uns zu viele Sorgen und haben sehr große Probleme, so auf dem Präsentierteller zu sehen, besonders wenn die erste Reihe von Männern - all den Dozenten! - besetzt ist." Ich musste lachen. "Ja, aber wir Kerle haben doch genau die selben Probleme. Wir spielen einfach nur die eiserne Miene - aber diese Nervosität, die du eben beschrieben hast, die hatten wir schon 20 Minuten vorher und haben sie besiegt - oder einfach runtergeschluckt - ehe wir zum Schafott geführt wurden."

"Frauen sind notorisch unzufrieden" - das ist eine nützliche Wahrheit, wie ich finde. It's not a bug, it's a feature: Wäre dem nicht so, würden wir heute immer noch in Höhlen und Erdlöchern leben.


(3) Benjamin Button

Unsere Gesellschaft hat eine interessante Dynamik entwickelt: Als Frau hat man seine Blütezeit in der Jugend - kaum kommt die Pupertät, kommt auch die Popularität. Ab dann hat Frau gute 15 Jahre, in der ihr die Welt zu Füßen liegt - völlig unabhängig von ihrem Äußeren oder ihren persönlichen Problemen.
Sit-Coms, die Schönheitsindustrie und Psychopharma-Produzenten würden diesen Frauen gerne einreden, dass diese Spaßkurve niemals endet, aber irgendwie tut sie das schon: Die Natur und die Schwerkraft haben dem Riegel vorgeschoben. Und so tickt "die biologische Uhr" heute nicht mehr so sehr des Kinderkriegens willen, sondern aus einem weitaus perfideren Grund: Als Frau solltest du deine "schönen Jahren" nicht damit verplempern, dich von einer dysfunktionalen Beziehung zur nächsten zu hangeln, sondern einfach genug Menschenkenntnis entwickeln, um den guten Catch als solchen zu erkennen.
Wir können niemanden dazu zwingen, aber alle empirischen Beweise deuten darauf hin, dass dies normales - und in der Regel sinnvolles - menschliches Verhalten ist.

Aber das "heteronormative Verhalten" für Frauen unter 30 in der westlichen Welt ist heute entweder gepflegtes Single-Dasein oder das der "Serialen Monogamie": Klar ist man seinem Freund treu, aber wenn er abgemeldet ist, steht bereits der nächste Gewehr bei Fuß. Mich hat das immer fasziniert: Wie kommt es, dass Frauen stets bloß einen Fingerschnipp entfernt zu sein schienen von ihrer nächsten Beziehung? 

Bei der oben beschriebenen Szene, bei der mich eine Freundin als "schlimmste Art von Sexist überhaupt" bezeichnete, hatte ich eigentlich nur versucht, etwas salomonisches zu sagen, die Wogen zu glätten, ein bisschen Weisheit zu streuen. Und ich glaube an das, was ich sagte: "Frauen werfen den Männern vor, dass sie die Welt beherrschen würden… und weigern sich dabei einzusehen, dass wir das einzig der Frauen wegen tuen."

Denn die Wahrheit ist: Für die emanzipierte Frau des 21. Jahrhunderts ist eine Beziehung immer eine Option. Für den nicht-emanzipierten, zeitgenössischen Mann ist sie ein genetischer Imperativ. Ladies, seht euch in euerem männlichen Freundeskreis um: Die einzigen Kerle, die nicht bloß vorgeben, im Single-Dasein Erfüllung zu finden, sind in der Regel sexy Nihilisten mit Zugang zu Geld - eben die Kerle, die sich um Sex (und das mühevolle Aneignen menschlicher Qualitäten) nicht wirklich Gedanken machen brauchen.
Für den Rest von uns Gentlemen-Losern bleibt der Sit-Com-gespeiste Abgrund der Verzweiflung. Wird sie mich zurück rufen? Habe ich überhaupt eine Chance? Was stimmt nicht mit mir? Wie kann ich mich je selbst lieben, wenn jede Frau dankend ablehnt?

Klar, wir beschweren uns und wir lästern darüber, aber dabei bleibt es in der Regel. Wir werden nicht zu Vergewaltigern oder konservativen Politikern, nur weil uns niemand haben will. Wir geben nicht einmal unsere "positiven" männlichen Überzeugungen ab - Ladies first! -, geschweige denn dass wir "die Gesellschaft" selbst anfeinden, wie es uns die Feministinnen gelehrt haben.
Wir brüten.
Wir denken darüber nach, was wir falsch gemacht haben.
Wir suchen den Fehler bei uns.
Wir versuchen, es das nächste mal besser zu machen.
Wir drehen uns im Kreis, weil wir es "der abstrakten Frau" recht machen wollen… und irgendwann zieht jeder Kerl die Konsequenzen daraus, individuell für sich.

Ja - und manchmal geht das tierisch schief. Mir graut jedes mal davor, wenn ich das populäre Argument der "Gender Pay Gap" zu hören bekomme ("Frauen verdienen immer noch weniger als Männer!"), und ich kontere das gerne mit einer weitaus bedrohlicheren "Gap": Der Suicide-Gap.

Quelle: Studie des Statistischen Bundesamts zu Suizidraten, Wiesbaden 2007
Was seht ihr? Die Zahlen zeigen die Verteilung von Suiziden zwischen Männern und Frauen im Zeitraum 1980 bis 2006. In diesen 26 Jahren passierten einige interessante Dinge: Auch wenn die Zahlen absolut sanken, veränderte sich die Verteilung: Von einem nahezu 2:1-Verhältnis Anfang der 80er zu einem stabilen 3:1-Verhältnis im aktuellen Jahrtausend. Einige Seiten weiter finden wir folgenden Satz:
In Deutschland wird der europäische Trend bestätigt, wonach insbesondere in den Altersgruppen zwischen 15 und 45 Jahren sowohl bei Männern als auch Frauen eine relativ hohe Sterblichkeit durch Suizide festzustellen ist. Bei Männern betrug der Anteil der Suizide an allen Todesursachen in der Altersgruppe 25 bis unter 35 Jahre 19,0 % (Frauen: 10,7 %). Neben dieser Altersgruppe waren es insbesondere die 15-bis unter 25-Jährigen und die 35- bis unter 45-Jährigen, die bei den Männern mit 18,0 bzw. 11,7 % (Frauen: 11,2 bzw. 6,6 %) überdurchschnittlich oft Suizid begingen.
[Markierungen durch mich, HS]

Ein männlicher Freund drückte es unlängst so aus: "Weißt du, in älteren Generationen haben Leute früh geheiratet, ließen sich spät scheiden und waren dann erst verbittert über die Welt und die Liebe. Aber wenn du so drüber nachdenkst, die Kerle unserer Generation… bis wir 30 werden haben wir schon so viel emotionalen Missbrauch erlebt, dass wir uns in einem gewissen Sinne schon wie geschieden fühlen..."

Hinter der Suizid-Gap vermute ich natürlich auch mehr als ein bloßes Gender-Problem. Die Gründe, die zu einem Selbstmord führen können, sind mannigfaltig - aber wie können wir immer noch mit steinerner Miene behaupten, "Frauen hätten es halt auch heute noch in so vielen Bereichen schwer" wenn ein Blick auf das Gesamtbild zeigt, dass die Zahl von Männern, die es so schwer im Leben haben, dass sie den Tod vorziehen, doppelt bis dreifach so hoch ist wie die Zahl der entsprechenden Frauen?

Überhaupt die Aussage: 
"Frauen haben es heute in so vielen Bereichen schwer."
=> "Frauen haben es in einigen, aber nicht der Mehrheit der Fälle, schwer."
=> "Frauen haben es in einigen Bereichen schwerer als Männer."
=> "Männer haben es in einigen Bereichen leichter als Frauen."
=> "Männer haben es in der Mehrheit der Bereiche schwerer als Frauen."
=> "Frauen haben es noch nicht in allen Bereichen leichter als Männer."

Wieder kann ich mir die Polemik nicht verbeißen: Sollten extreme Feministinnen nicht fortan mehr Zeit und Energie dafür investieren, mehr junge, erfolgsversprechende Frauen in der Blüte ihres Lebens in den Freitod zu treiben?

Als ich noch zur Schule ging lernte ich, wie Menschen sich aus Dummheit ihr eigenes Grab schaufelten. Damals ging es um Rassismus, und ich erkannte die Ironie, dass die jugendlichen Ausländer, der hier leben und sich über "die Unterdrückung" und "die Fremdenfeindlichkeit" durch die Deutschen ärgern, ihren Frust an ihren deutschen Mitschülern auslassen - deutsche Jugendliche sind einfach die geborenen Opfer. Der Gedanke kam mir, nachdem ich mal von einer Horde Türken aufgemischt wurde: Ich bin kein Rassist. Ich will kein Rassist sein. Aber ich werde für den Rest meines Lebens auch nicht so tun können, als wäre das hier gerade nicht passiert.

Indem wir die feministische Rhetorik salonfähig halten - und weiter auf den Kerlen rumhacken, weil die es ja aushalten können - haben wir eine ganze Generation vergiftet. Und in diese toxischen Ruinen gebärt meine Generation gerade ihren Nachwuchs.


(4) Sexueller Dimorphismus

"Sexueller Dimorphismus" ist das Phänomen, das sich die Geschlechter innerhalb einer Spezies aufgrund verschiedener Faktoren unterscheiden (der männliche Pfau hat ein Rad, männliche Ameisen werden mit Flügeln geboren, Rehböcke besitzen Geweihe für Revierkämpfe, etc…). 
Banalstes Beispiel beim Menschen: Das weibliche Becken ist im Durchmesser breiter als das männliche, da es für die Geburt eines Kindes ausgelegt ist.

Warum erwähne ich das in einem Rant über Feminismus? Vielleicht weil wir vor lauter Political Correctness gerne ausblenden, dass wir uns bis auf zelluläre Ebene unterscheiden! Ich bezweifele nicht, dass Frauen die selben Rechte und Pflichten verdient haben wie Männer. Ich weigere mich nur so zu tun, als seien wir in irgendeiner Weise "gleich" geboren. 

Klar ist es leicht, auf einen herrschenden Kerl spöttisch herab zu blicken und zu sagen "Ja, das kann ich auch!" Und klar hast du das Recht, es gerne zu versuchen, so zu sein wie er. Aber du hast weder das Recht, die Gesellschaft zu zwingen, diese Gleichheit für dich hinzubiegen, noch hast du das Recht, diesem Mann zu zwingen, mehr zu sein wie du - bloß damit du ihn schneller überholen kannst!

Bedient man sich biologischer Argumente in einer Debatte läuft man immer auf dünnem Eis: Der naturalistische Fehlschluss lauert überall: "Weil etwas in der Natur vorkommt, ist es gut." Falsch! Nichts ist per see gut oder schlecht in einem ethischen Sinne, nur weil es seine Ursache in der Biologie hat. Aber die Biologie - und die Natur, im weitesten Sinne - ist ziemlich knallhart darin festzulegen, was geht und was nicht.

Letztens hatte ich einen Pillow Talk zu diesem Thema… und die Frau meinte, wir Männer sollen bloß die Klappe halten, denn Frauen müssten durch die Natur schon mehr leiden als Männer: "Krieg du mal von deinem 14 Lebensjahr an alle vier Wochen deine Periode bis du 50 bist," war ihr Argument. Ich musterte sie, legte den Kopf schief: "Vier Wochen? Ein Kerl braucht spätestens alle 5 Tage einen Orgasmus, sonst verliert er völlig den Verstand. Wollen wir tauschen und kucken, was mehr Streß bereitet?" Sie schmunzelte.


(5) Finale Weisheiten

Dieser inkohärente, polternde Text sollte auf irgendeine konstruktive, positive Art enden. Würde ich bloß über den Zustand der Welt klagen (und, seien wir mal ehrlich, was da oben dünn als "Fakt" getarnt war ist nichts anderes als die Misere meines Liebeslebens), dann wäre ich kein Deut besser als die anti-humanistische Feministin, die ich zu widerlegen versuche.

Ironischerweise hieß der erste Entwurf dieses Texts "Jungs, wir müssen reden (Die Krise der Männlichkeit)", aber je mehr ich recherchierte, umso mehr realisierte ich, dass die "Krise der Männlichkeit", wie sie die Feuilletons gerade ausrufen, nichts anderes als die nächste Werbekampagne zur spirituellen Ent-Hosung von uns armen Männern darstellen wird. Also schwenkte ich um - und versuchte, diesen Text für ein weibliches Publikum zu formulieren. 

Egal also, ob du meiner Analyse zustimmst oder mir zumindest einräumst, dass ich in gewisser Weise recht habe, du könntest als Frau von den nun folgenden Ratschlägen massiv profitieren. Ich bin, nach wie vor, 28 Jahre alt - das heißt meine Tipps können sich, naturgemäß, nur auf den Umgang mit Jungs und Männern bis zu diesem Alter beziehen. 


Sei dir im Klaren, welche Macht die Frauen besitzen // Rechne deine Perspektive auf die Gesamtbevölkerung hoch
Wenn du in den Nachrichten Bilder über Krieg, Armut, Überwachung und Konsum siehst, denk bitte nicht "diese doofen Kerle." Auch wenn die Mehrheit der Offiziere, Politiker und Konzernchefs tatsächlich Männer sind, ändert das nichts an der Tatsache, dass Wähler und Konsumenten zu mindestens 50% Frauen sind. Ihr habt so viel Macht, so viel Verantwortung und so viel Schuld auf euch geladen… es ist unglaublich. George W. Bush und Vladimir Putin - glaubt ihr echt, dass die mehrheitlich männliche Wähler angesprochen haben?


Die Männer, die Frauen, die Schwulen, die Lesben...
Eines meiner neuen Lieblingsschimpfwörter ist "Gender Binarism": Der Vorwurf, die (patriarchalische) Gesellschaft würde uns bloß zwei Schubladen geben, in die wir besser reinzupassen haben. Schwule, Lesben und Transgenders, so die These, würden unter den Tisch fallen, weil sie sich nicht komfortabel in die "heteronormativen" Schubladen von Mann und Frau einfügen können. Und so kam es, dass der Feminismus mit der Queer-Theorie zu den "Gender Studies" fusionierte, der neuen Super-Wissenschaft der Sexualität.
Ich verrate dir was: Männer besitzen, anders als Frauen, keine angeborene Gender-Präferenz. Will sagen: Wir bevorzugen nicht zwischen Männern und Frauen, so lange keine Emotionen im Spiel sind. Der evolutionäre Vorteil daran ist, dass wir leichter Entscheidungen treffen können, die die Gesamtgesellschaft berücksichtigen. Das ist kein Scherz, Psychologen und Biologen beweisen das seit Jahrzehnten… Frauen, hingegen, haben sehr wohl eine Genderpräferenz, zum einen gegenüber anderen Frauen und, in einem weiteren Sinne, gegenüber Kindern. Was zunächst einmal konterintuitiv klingt: Die Frauen sind sich gegenseitig die größten Feinde, geben viele von ihnen zu. Aber sie dominieren sich dabei gegenseitig hierarchisch - sie denken nicht in männlichen Dimensionen der Konkurrenz durch Vertreibung/Vernichtung.
Der Vorwurf, der Mann würde die Frau unterdrücken, scheint also auf doppelte Weise falsch. 

Wie euch vielleicht aufgefallen ist, sind Männer überhaupt ein wenig touchy, wenn es um "Frauen und Männer"-Gespräche geht. Ihr könntet ja vielleicht - wider euere Natur - ein wenig von uns lernen und endlich anfangen, die Menschheit als Gesamtspezies zu sehen, nicht als zwei zusammenlebende Bevölkerungsgruppen.
Immerhin wolltet ihr diese Macht. Da habt ihr sie. Viel Spaß beim Entscheiden!


Beziehe (irgendeine) Stellung zum Feminismus
Wir hören zwar nonstop von Feministinnen und arrangieren uns mit all den politischen "Segnungen", die sie uns (euch) erstreiten - aber so wirklich kennen tun die wenigsten eine.
Was hingegen jeder Kerl zuhauf kennt ist diese Art von Frau: Jung, gebildet, selbstbewusst, ehrgeizig. Diese Frauen glauben, der Feminismus hätte sie befreit, quasi die Vorarbeit geleistet, aber sei heute ein eher peinliches Thema, mit dem man sich nicht gerne assoziiert. "So schlimm wie die Feministinnen bin ich ja nicht," scheint der Grundtenor zu sein, aber die Vorteile, die er erkauft hat, werden gerne angenommen.
Erinnert mich immer ein wenig an die Deutschen '45, die hinterher von nichts gewusst haben wollen.


Erwähne niemals die "Gender Pay Gap", ohne dich vorher etwas eingelesen zu haben.
Man braucht weniger als eine Minute, ehe Google einem beweist, dass "Männer immer noch 20% mehr verdienen als Frauen". Aber ehe du dich in einer Diskussion mit diesem Argument blamierst, lese dich mal ein bisschen weiter ein in die Materie. Du wirst sicher überrascht sein!


Biete niemals einem Mann die Freundschaft an, der nie eine Freundschaft von dir wollte.
Als Faustregel könntest du sogar davon ausgehen: Jeder Kerl, der auf dich zukommt, möchte "etwas" von dir - bis er einwandfreie Beweise abgeliefert hat, dass er wirklich nur ein Freund sein möchte (Tipp: Das wird selten!).


Männer und Frauen haben verschiedene Konzepte der "Liebe"
Das ist so banal, dass ich mich manchmal selber wundere, wieso ich der erste bin, der das ausspricht: Männer und Frauen benutzen beide das selbe Wort ("Liebe"), auch wenn sie zwei völlig verschiedene Dinge damit meinen: Erfüllung männlicher Bedürfnisse und Erfüllung weiblicher Bedürfnisse. Wie gesagt - wir unterscheiden uns schon auf zellulärer Ebene, wie konnten wir uns je in den sprachlichen Fehler verrennen, unsere Ziele im Leben den gleichen Namen zu geben?
Stell dir vor, wir würden für "Vagina" und "Penis" das selbe Wort verwenden - oder gleich für "Mann" und "Frau". Die Missverständnisse wären vorprogrammiert! Arrangiere dich damit, dass ein Mann nie so ticken kann wie eine Frau, und dass du nie so ticken wirst, wie ein Mann - und akzeptiere, dass das eine gute Sache ist. Wir sollen uns nicht gegenseitig übertrumpfen - wir sollen uns gegenseitig ergänzen.


Vergiss die "Plausible Deniability"
"Plausible Deniability" ist ein Washingtoner Begriff für eine bestimmte Art von Politik, bei der man A sagt, aber B tut - und sollte je raus kommen, dass B ein Fehler war, kann man sich hinter seiner Aussage A verstecken. Es ist pragmatisch: Man verliert nicht das Gesicht, auch wenn man nach allen Regeln der Gesellschaft eigentlich die Verantwortung zu tragen hätte.
Klar - Frauen haben es gerne mysteriös. Weibliche Sexualität funktioniert über "Verlangen". Okay. 
Aber seien wir ehrlich: Im Großteil der Fälle, in der eine Frau einen Kerl ausgenutzt hat - finanziell, emotional, sexuell - hat sie ihm was vorgespielt. Hier kommt die Plausible Deniability ins Spiel: Nur weil du mit Worten keine Fakten geschaffen hast, sprechen deine Taten auch immer für dich. Versuche… beides deckungsgleich zu kriegen?
Dein Schweigen bringt dir eh nichts: Wir wissen, was Sache ist. Und wir beurteilen dich nicht exklusiv nach deinen Aussagen. Wenn dir ein ehemaliger Freund heute nur noch blanken Hass entgegenbringt, solltest du über diesen Punkt besonders heftig meditieren.


Wenn dir ein Mann ins Gesicht sagt, dass er dich liebt, passiert etwas absolut seltenes
Wir alle kennen die Filmszene: Am Ende sagt der Held, im dramatischsten Moment, zu seiner Heldin: "Ich liebe dich". Hollywood-Kuss. Streicherchöre. Hollywood-Regen.
Die Vorstellung, dass irgendeine Form von Liebe die Grundvoraussetzung für irgendeine Form von Beziehung ist, ist heute toter als tot. Erinnern wir uns an die "Serielle Monogamie": Das Beziehungsparadigma des 21. Jahrhunderts sieht ungefähr so aus: Mann findet Frau interessant // Frau checkt den Mann ab // Wenn für gut befunden, landen beide in der Kiste // Wenn der Sex gut ist, wird mehr daraus // Wenn mehr daraus wird, endet man in einer Beziehung // die nächsten anderthalb Jahre werden genutzt, um der Frage auf den Grund zu gehen, ob man sich überhaupt liebt. 
"Können da Gefühle entstehen?"

Nennt mich einen altmodischen, romantischen Loser, aber ich verliebe mich immer mal wieder in Frauen. Da ich für ein weibliches Publikum schreibe, lasst mich bitte aufdröseln, wie das aus männlicher Perspektive von Statten geht:
-lerne eine kennen
-meistens erstmal nichts
-lerne sie mehr kennen, finde sie interessant, fange an, mich mehr mit ihr zu unterhalten
-in 10 von 10 Fällen bleibt es dabei, aber immer mal wieder passiert mehr
-ich denke an die Frau. Dann denke ich noch ein wenig mehr an sie. Und dann noch mehr. Ich will sie wiedersehen
-Frauen, Pokerfaces die sie nun mal sind, lassen sich nichts anmerken. Mag sie mich?
-ich suche nach Gründen, es mir selbst auszureden - oder irgendeine Ablenkung, die mich auf neue Gedanken bringt, denn sonst
-ist irgendwann der Point-of-no-Return erreicht, bei dem ich mir selber eingestehen muss, dass ich mich verliebt habe. Aus diesem Wahnsinn führen nur zwei Wege raus: Erfolg oder Scheitern. 
-der Balztanz ist eröffnet. Ab jetzt ist totaler Krieg. 

Ein Kerl, der dir offen sagt, dass er dich "sehr, sehr mag", sich "in dich verliebt hat" oder das Kind gleich beim Namen nennt und von seiner "Liebe" für dich spricht - was tust du mit dem? Wie attraktiv wirkt der noch auf dich? Wie hoch sind die Chancen, dass er Erfolg haben wird? Sei ehrlich.

Niemand zwingt dich zu irgendwas. Du brauchst Liebe nie zu erwidern. Lass ihn abblitzen und texte lieber deinen unkomplizierten Stecher an. Sei dann aber auch bitte nicht feindselig auf die Welt, wenn du Jahre später noch alleine, einsam und am Vorabend deines 30. Geburtstags den Freitagabend alleine auf der Couch verbringst.






Ladies des 21. Jahrhunderts, eines muss euch klar sein: Ob ihr wollt oder nicht, ihr seid nun das starke Geschlecht. Die Feministinnen haben euch befreit und euch unerhörte Macht beschaffen - Macht, von der wir Männer nur träumen, und von der manche von uns glauben, dass wir sie nie wirklich besessen haben. Aber, um euer Glück in dieser Schönen Neuen Welt wirklich zu finden, müsst ihr mit dieser Macht besser umgehen. Und ihr müsst kapieren - nicht lernen, nicht verstehen, nicht nachvollziehen, schlicht kapieren - dass ihr umgeben von Männern lebt, die sich dieser neuen Welt angepasst haben und nicht bloße Kopien oder Väter oder Großväter sind. Die Männer meiner Generation sind die Waisenkinder des Feminismus.

Klar kannst du glücklich werden mit einer Katze. Klar kannst du glücklich werden als Single-Mom. Und klar kannst du auch völlig alleine alt und glücklich werden.
Aber du kannst dir das alles extrem vereinfachen: Such dir einen guten Mann, der dir in die Augen sehen kann. Gib ihm die Umschuldsvermutung: Im Zweifel für den Angeklagten. Euer gemeinsames Glück wird weitaus größer als die Summe seiner Teile.

21.06.14

Wie wir "Schland" erfanden

Ich mag WMs nicht wirklich. 
Wir wissen mittlerweile alle Bescheid. 
Das Spiel ist manipuliert. 
Das Spiel ist Manipulation. 
Heute ist der längste Tag des Jahres - früher war das mein größter Feiertag, weil er für mich nur eines bedeutete: Endlich werden die Nächte wieder länger! Aber nachdem ich nun beinahe 14 Monate am Stück einen normalen Säugetierrhythmus gelebt habe, stimmt mich der Tag nachdenklich - das war's schon? Nach so viel Dunkelheit verabschiedet sich die Sonne schon wieder?

Die erste Halbzeit des Schland-Ghana-Spiels war relativ unterhaltsam. Ich lag - und liege immer noch, während ich dies tippe - satt & zufrieden auf meiner WG-Couch, mit einem Cola-Bier relaxend & Kette rauchend. Ich verschickte Botschaften in die gesamte Welt - SMS, eMail, Facebook, What's App, alles. Schland wurde von den Kommentatoren als "nachdenklich" bezeichnet (Zitat: "Die Frisur sitzt!"), Ghana spielt wie ausgewechselt.

Wow. Die Nachrichten in der Halbzeitpause zeigten meinen Papst, wie er in den kaputtesten Teilen Italiens Mafiosi exkommuniziert und endlich die Bekämpfung des Bösen fordert. Ich liebe die katholische Sprache!

In diesen Tagen erzählen mir alle alles, was sie über Fußball wissen. Ich höre mir das geduldig an & stelle Verständnisfragen. Dann lächele ich irgendwann & erzähl ihnen, wie ich dabei war, als wir "Schland" erfanden. 

Ich meine nicht das metaphorische Alter Ego unserer Nation, in das sich Deutschland..... (1:0 für Schland! Böller & Raketen flattern durch den Kiez, das Handy in meiner Hand, auf das ich diesen gesamten Text mit meinem rechten Daumen einhämmere, erwacht zum Leben) .....alle 2 Jahre sommers verwandelt. 

Ich meine bloß das Wort, den versoffenen Schlachtruf, die Idee. Wann war das? 2005?
Wir saßen im berüchtigten "Partykeller" der Grauen Eminenz, aufgeputscht von Öttinger Bier, französischem Hasch und jugendlichem Leichtsinn. Ich erinnere mich noch, wie ich mit dem Mechaniker in einem kichernden Dialog über die mittlerweile wahrscheinlich ausgestorbene ARD-Sendung "Kein schöner Land" verloren gegangen war - wir lachten beide darüber, dass wir uns als Kinder über diesen doofen, grammtikalisch offensichtlich falschen Titel aufgeregt hatten, ehe wir dann im "Alter" checkten, dass das ja eine lyrische Ausdrucksweise sei. 

Und da schlug die Idee ein. Wer warf sie in den modrigen Raum? Der Mechaniker? Der Kasache? Die Graue Eminenz? Ich?

Heißt es eigentlich wirklich Deutsch-Land? Das kann doch unmöglich sein! Wieso sprechen wir es denn dann alle als Deut-Schland aus?

Schland. Hihihi. Ein Running Gag war geboren. Und wir teilten ihn, zu jung & zu doof, an Copyrights zu denken
Bei der nächsten WM brüllten mir besoffene das Wort auf offener Straße entgegen. 
Und ich grinste. 
Seitdem mag ich Fußball ein klein wenig mehr. 

05.06.14

Jubiläums-Post: 10 Jahre, 10 Gebote

So geh'n sie hin, die schönsten Jahre! Eure liebste Webseite auf Erden wird heute offiziell 10 Jahre alt! Cheers, Na Zdorovje und Salute!

Ich verbeuge mich vor euch, meinen vielen, vielen (imaginären) Lesern! Ihr seid das Herz dieser ganzen Operation, auch wenn ihr es womöglich garnicht wisst. Ihr seid der Nährboden, auf den meine literarische Sporen fallen... und von euch aus metastasieren sie... schlängeln sich fort & davon...

Äh, ja. 
Also!
Was soll ich sagen?
Cent'anni!
Du weißt nicht, wie die Blumen duften
Kennst Arbeit nur, und Schuften
So geh'n sie hin, die schönsten Jahre…
Auf einmal liegst du auf der Bahre
Und hinter dir, da grinst der Tod!
Kaputtgerackert, du Vollidiot!
-Lehrlingsweisheit an der Zimmerwand meines ältesten Cousins, ca. 1995
Um diesen besonderen Punkt im Raum-Zeit-Kontinuum gebührend zu feiern, habe ich ein kleines, aber feines Update vorgenommen: Und zwar habe ich meine 10 Gebote endlich zu Ende formuliert und hier verkündet. Ich er-fand diese Gebote nicht, sie fanden vielmehr mich… auf meiner "Reise durch die Wüste, durch die jeder von uns muss…"

Stellt euch also vor, ich würde gerade wie Charlton Heston… äh ich meine wie Moses vom Berg Sinai herabgestiegen kommen, zwei iPads in den Armen, und mit donnernder Stimme diese NEUEN Gebote eueres "Gottes" verkünden. Sie sind, soweit ich das sehe, absolut kompatibel mit den ursprünglichen 10 Geboten… also von daher stellt sich die Entweder-Oder-Problematik sowieso nicht.





DIE NEUEN X GEBOTE
von
Gott (via Henrie Schnee)



Das I. Gebot: Dokumentation ist wichtig. 

Das II. Gebot: Es ist nur lustig, wenn alle lachen. 

Das III. Gebot: Gegen Morgen hilft am besten Gestern. 

Das IV. Gebot: Wir können Menschen ohne Flügel nicht "Engel" nennen, deswegen nennen wir sie "Freunde". 

Das V. Gebot: Vertraulichkeit schafft Verachtung. 

Das VI. Gebot: Wenn du Perfektion erreichst, hast du irgendetwas falsch gemacht. 

Das VII. Gebot: Es ist in Ordnung, durch's Leben zu gehen und dabei zu denken, man sei ständig der Klügste im Raum - aber irgendwann muss man dann auch tatsächlich mal der Klügste im Raum sein. 

Das VIII. Gebot: Unser Feind ist die Dehydrierung. 

Das IX. Gebot: Immer Ordnung halten im Chaos der Anderen. 

Das X. Gebot: Menschen werden sich immer zu den Menschen hingezogen fühlen, die sich in ihrer Gegenwart wohlfühlen.