25.10.14

:-) Playlist

Unlängst kassierte die Content-Industrie eine erneute Schlappe vor Gericht. Man wollte sich das Einbetten und Verlinken von YouTube-Links durch Privatleute in Zukunft bezahlen lassen.
Bangarde.
Ich habe in 10 Jahren keinen Cent mit dieser Webseite gemacht.
Aber ich mache nonstop Werbung für erstrebenswerte Kultur.

Zur Feier des Sieges meiner Verbraucherrechte habe ich ergo meine :-) Playlist abgetippt, für euch verlinkt und hier bereit gestellt. Viel Spaß!

null1 Rock & Roll Nigga - Patti Smith ("Outside of Society, that's where I wanna be!")
null2 Sacrilege - Yeah Yeah Yeahs ("Asked if I would try to leave this all behind")
null3 Council Estate - Tricky ("But remember, BOY, you're a SUPERSTAR!")
null4 Run Boy Run - Woodkid ("Tomorrow is another Day.")
null5 Blood - In This Moment ("I love you for every time you gave up on me!")
null6 Supermassive Black Hole - Muse ("Superstars sucked into the Supermassive")
null7 Infinity Guitars - Sleigh Bells ("Infinity Guitars, aha aha ahaaa!")
null8 Spur - Herbert Grönemeyer ("Bis auf den Grund meiner Natur.")
null9 Demon Seed - Nine Inch Nails ("And I'm reaching the point: Yeah Yeah Yeah Yeah!")
eins0 The Great Destroyer - Nine Inch Nails ("Just in case they could be watching...")
eins1 Everybody's Free (to wear Sunscreen) - Baz Luhrmann ("Dance!")
eins2 Sour Grapes - Puscifer ("To greet a new day!")
eins3 King of Bongo - Mano Negra ("Every Monkey like to be in my Place instead of me")
eins4 Runs in the Family - Amanda Palmer ("Sometimes you're born with it!")
eins5 All the Love in the World - Nine Inch Nails ("Why do you get all the love in the world?")
eins6 In the City - Kevin Rudolf ("Every Day I'm Alive in the City")
eins7 Professional Griefers - Deadmau5 ("We got Machines but the Kids got Jesus.")
eins8 Beyond the Sea - Bobby Darin ("My lover stands on golden sands and watches the ships...")
eins9 Solsbury Hill - Peter Gabriel ("Grab your things, I've come to take you home!")
zwei0 Piggies - The Beatles ("Have you seen the little piggies?")
zwei1 Fur-Lined - How to Destroy Angels ("Is this really happening?")
zwei2 Big Spender - Lana Del Rey feat. Smiler ("A Man of Distinction - a real Big Spender!")
zwei3 I need some fine Wine and you, you need to be nicer  - The Cardigans ("Good Dog!")
zwei4 Immigrant Song - Karen O ("Valhalla, I am coming!")
zwei5 Hurdy Gurdy Man - Donovan ("'Tis then when the Hurdy Gurdy Man comes")
zwei6 Still Alive - GLaDOS ("And the Science gets done.")
zwei7 Doncamatic - Gorillaz ("Download me!")

24.10.14

Skorpione (Totale Mobilmachung, Pt. 2)

Als Junge bekam ich auf einem Dorffest mal einen silbernen Skorpion-Anhänger mit einem grünen Smaragd geschenkt.
Ich bin nicht der Schmucktyp. Genau genommen besitze ich sogar nur zwei Schmuckstücke. Besagten Silber-Skorpion und den Siegelring meines lange verstorbenen Großvaters, den meine Großmutter vor einem Jahrzehnt - zu meinem Schulabschluss - auf meine Initialen hat ändern lassen: HS.

Ich bin Sternzeichen Skorpion - das abgefahrendste von allen. Wir sind alles, was ihr gerne wärt: Sexy, geheimnisvoll, komplex, verschwiegen, einfühlsam, vorausschauend, vertrauenswürdig, unberechenbar. Wir sind extrem gefühlvoll - aber unsere Gefühle sind keine hübsche Teiche oder malerische Tümpel, unsere Gefühle sind Sturmfluten, Dammbrüche, Schneelawinen. Unser Blick durchdringt, und ein Skorpion, der seine angeborenen Talente zu nutzen weiß, wird früher oder später deine Gedanken lesen können.

Das alles bezahlen wir mit einem unbeschreiblichen Preis. Man kann keinen Pakt mit der Finsternis schließen, ohne darunter leiden zu müssen. Unsere Leben sind per Definition bereits bipolar. Ein ewiges auf und ab, das wir anfangs nicht wahrhaben können. Wir werden magisch angezogen von der dreckigen, klebrigen und finsteren Seite der Menschlichkeit. Wahnsinn, Kultur, Politik, Krieg, Sünde, Verbrechen... wir kommen nicht weg davon! Skorpione verlieren sich liebend gerne in privaten Süchten.
Wir sind der Colonel Kurtz der Tierkreiszeichen: "Das Grauen. Das Grauen hat ein Gesicht. Und man muss sich das Grauen zum Freund machen. Das Grauen und der moralische Terror sind deine Freunde. Falls es nicht so ist, sind sie deine gefürchteten Feinde!"

Kurz gesagt: Wir sind in-ten-siv. Was uns so sexy macht ist auch leider genau das, was uns als "unnötiges Risiko" abstempelt. Für immer. In einer christlich-geprägten Kultur sind wir der Judas-Archetyp. Absolut notwendig. Aber auch absolut missverstanden.

Man sagt, Skorpione machen drei Phasen in ihrem Leben durch, weswegen unser Tierkreis als einziger auch drei unabhängige Symbole besitzt: Stufe 1: Der Skorpion (Wut und Aggression), Stufe 2: Der Adler (Würde und Weitblick) und zuletzt Stufe 3: Die Taube bzw. Der Phönix (Frieden, Wiedergeburt und Veränderung).

Stufe 2 - den Adler-Level - erreichen wir, sobald wir verstehen - nicht wissen, glauben oder ahnen, sondern physisch verstehen - dass es völlig okay ist, wie unsere Leben dauernd auf und ab gehen. Wir müssen unseren inneren Nixon finden.

Wie man Stufe 3 erreicht, den Phönix-aus-der-Asche, darüber schweigen die Experten. Ich schätze, Charles Bukowski hatte an dem Problem geforscht, denn er sagte einst: "Man muss erst ein paar mal sterben, ehe man wirklich leben kann."
Oder man muss erst eine ausgetrocknete Felden vorfinden, die sich niederbrennen lässt.

Ach ja.
Skorpione.
Gotta love 'em!


23.10.14

Ein einfaches Internet

In diesen Tagen habe ich den Eindruck, dass man das gesamte westliche Internet mit einem Team aus vielleicht 500 Leuten schmeißen könnte.
Damit meine ich nicht den technischen Aufwand: Webdesign, Infrastruktur, Hosting... all der technische Kram verschlingt sicher die Zeit einer Unzahl von Fachinformatikern und Autodidakten. Selbst das kümmerlichste Startup benötigt mindestens einen Praktikanten.

Was ich wirklich meine, ist die Oberfläche: Das, was die Bösen im letzten Jahrzehnt verächtlich den "Content" getauft haben. Wir erinnern uns: Die Gründe, wieso das Internet seinen Siegeszug antreten konnte, waren seinerzeit nicht die einfache Bedienung und das beruhigende Gefühl von Sicherheit - fuck nein, der einzige Grund, wieso das Internet je zu etwas mutieren konnte, was heute Börsenkurse erbeben lässt, war Das Angebot: All die Informationen! All die Geheimnisse! All die Pornographie! All die Sprache! Ich will alles - all die Puzzles, all die Rätsel!

Als Modems noch Lieder singen mussten, ehe man online gehen durfte. Als Spiegel Online noch seriös war. Als die Schöpfer von Google und Facebook noch mit Lego Technik spielten. 


Während ich gestern Nachmittag bis zu den Ellbogen in den Eingeweiden unserer Webseite steckte, um einen geheimnisvollen Bug auf den Grund zu gehen, der in automatisch generierten eMails alle Umlaute und Sonderzeichen verhunzt, brach der Anschlag von Ottawa über meine Feeds herein. Ich erkannte die Gelegenheit: Die ganze Welt war in dem Moment so schlau wie ich, denn journalistisch war nicht mehr möglich, als #Ottawa bei Twitter zu folgen... oder mal auf die Webseite des kanadischen Parlaments zu pilgern, und herauszufinden, dass als erste Sitzung eine Diskussion über die medizinische Versorgung kanadischer Armee-Veteranen anberaumt war.

Ich war schockiert von dem, was ich auf Twitter sah: Welle um Welle der selben paar Textbausteine, die in immer wieder den selben Schattierungen getweetet, retweetet und zertweetet wurden. Es sah aus wie ein verrückter Chatroom voller auf Panikmache programmierter Spambots! Merkwürdiger noch war, dass irgendwelche Algorithmen im Hintergrund tätig waren, die den Effekt nur noch verschlimmerten: Ich experimentierte selbst, postete unter dem Hashtag, doch meine von Menschenhand getippte Meldung wurde nie veröffentlicht - Twitter wählt sorgfältig aus, welche Tweets es einem anzeigt und welche nicht. Systempresse 2.0.

Ich zuckte mit den Schultern, vermutete einen von geheimer Hand befohlenen Schweigemantel und machte mich wieder an meine Arbeit. Mein Leben ist zu einem nie enden wollenden Kapitel eines William Gibson-Romans geworden.
Offiziell war Ottawa nicht meine Story, auch wenn sie mich interessierte. Also fing ich mit einem anderen Projekt an, das bereits seit Monaten gärt, und brachte endlich das Design dieser Seite hier auf den Stand von 2014.

Aber, um die Schleife zurück zum Anfang zu schnüren: Ich bin fest überzeugt, dass man das Internet, wie wir es heute erleben, mit plusminus 500 Leuten schmeißen könnte. Wie komme ich auf diese Zahlen?
Man bräuchte zwei bis drei Kern-Teams aus Bullshit-Autoren, die auf Englisch die Nachrichten der kommenden Tage erfinden - weltweit. Sagen wir 60 Leute, die sich alle gegenseitig Konkurrenz machen. Auf jeden Autor kommen 5 Übersetzer und "Variierer", die den Bullshit für die relevanten Feeds vorbereiten: AP, Reuters, die Newsletter aller Lobbyisten. Damit wären wir bei 360 Leuten. Nochmal 50 Leute, die als "relevante Experten" in verschiedene Rollen schlüpfen und die Telefone von hunderttausenden gefälschter Telefonnummern beantworten würden. Und die restlichen Köpfe verteilen sich auf Management und Special Effect-Teams.

Was natürlich nur ein Gedankenspiel ist - das auf eine Frage hinaus möchte: Wann genau haben wir, so als Gesamtspezies, eigentlich beschlossen, unsere globalen Bewusstseinsstrom an die Porno-Schleuder Internet abzutreten?

16.10.14

Post Hipster

Das Zeitalter der Hipster ist zu Ende gegangen.
Ich lebe in der Hauptstadt Europas, und selbst an mir ging diese höchst subtile Entwicklung meilenweit vorbei: Die Hipster phasen out.
Ich saß gestern mit einem befreundeten Schuhmacher in meinem viel zu gemütlichen Wohnzimmer, das ich in dem Jahr seit meinem Einzug in dieser WG Kabel um Kabel und Gerät um Gerät zu einem veritablen Medien-Zenter ausgebaut habe.
Wir sind ein ungleiches Paar: Er verdient sein Geld im Schweiße seines Angesichts, indem er überteuerte Schuhe von zwielichtiger Qualität an über-solvente Mitbürger verkauft - ich verdiene mein Geld damit, indem ich tue, was auch immer die deutsche Kifferszene gerade braucht. Er kam nach Berlin, um zu feiern: Leben für die Wochenenden. Ich kam nach Berlin, um zu wachsen: Leben in der ewigen Gegenwart.
Ich mag den Kerl sehr, da wir uns super ergänzen: Er redet furchtbar gerne über sich selbst und ist froh, wenn man ihm bloß zuhört. Ich bin froh, dass alle Gespräche mit ihm Selbstläufer sind und ich nicht nonstop Folgefragen stellen brauch. Plus, er hat erstklassige Lagerfeuergeschichten auf Lager - das macht Zuhören lohnenswert.

Wir diskutierten über Mode im Merkel-Berlin des Jahr 2014 und über subtile feministische Hetzkampagnen. Mein Punkt war am Ende der, dass ich mich, seit ich in diesem angeblichen Ghetto lebe, deutlich sicherer und behüteter fühle als in dem Neonazi-unterwanderten Hinterwäldlerkaff aus dem ich stamme, wo nahezu jeder sprichwörtliche Leichen im Keller hat.
Wo die lokalen Autoritäten einen einfach in den Wald hinaus fahren können....

Er konterte, dass er bei den kaputten Gestalten, die in meiner Ecke hier zu bestaunen seien, verstehen könnte, wenn Frauen sich hier im Dunkeln nicht alleine auf die Straßen trauen würden. Ich konnte das nicht nachvollziehen. "Komm schon," sagte ich, "wenn ein Kerl dir sagen würde, er hätte Angst vor Frauen im Dunkeln, würdest du denken, fuck mit dem stimmt was nicht. Aber unsere Gesellschaft bekräftigt an jeder Ecke, dass eine Frau besser pauschale Angst vor uns Kerlen haben sollte. Als sei das nützlich!"
Er mochte den Vergleich, konnte mir aber nicht ganz zustimmen. Meine Hypothese, dass "Täter" und "Opfer" auf beiden Seiten des Geschlechtergrabens sich mehr oder weniger die Waage halten würden - aber unsere Medien aus werbe-taktischen Gründen auf einem Auge etwas blinder seien als auf dem anderen. Kapitalismus muss Frauen bei Laune halten, nicht Kerle. Dem zumindest konnte er lachend zustimmen.

In einer Hinsicht waren wir uns einig: In Berlin ist es definitiv erstrebenswerter, sich wie ein "Täter" zu kleiden als wie ein "Opfer" - wobei er meinte, die Figuren an meinen Straßenecken seien nochmal eine deutliche Ecke bedrohlicher als seine Nachbarn in Kreuzberg, wo es mehr "Freaks der Natur" gäbe. Ich musste lachen: "Kommt auf die Perspektive an! Ich als Anwohner empfinde es eher so, dass diese Jungs hier auf den Straßen in Wirklichkeit dafür sorgen, dass es hier sicher bleibt."

Als Kontrast dazu bezeichnete ich die Hipster als das ultimative "Opfer" im Berliner Spektrum: Die totale Aufgabe der Individualität für eine masochistische Pseudo-Ironie. "Oh, ich trage diese Jacke nicht, weil ich sie tragen möchte, sondern weil die postmoderne Kultur mich dazu zwang..." Doch er als professioneller Mode-Fachmann korrigierte mich schnell: Die Hipster seien doch mittlerweile fast alle verschwunden - oder hätten sich zumindest in so viele Splittergruppen zerbrochen, dass sie nie wieder einen Machtblock darstellen könnten.

Ich hielt inne.
Fuck.

Er hatte recht!

Wann hatte ich das letzte Mal ein Rich Kid in lächerlichen Kombinationen gesehen? Wann war mir das letzte mal ein Metrosexueller aufgefallen, weil er ein Ensemble spazieren trug, das auch meine Großmutter gemocht hätte? Selbst die Guido Westerwelle-Gedächtnis-Brille ist vom Deutschen An-Gesicht verschwunden.
War ich deswegen den ganzen Sommer über so gut gelaunt gewesen, weil mein Unterbewusstsein schon seit Monaten nicht mehr von diesen oberflächlichen, eingebildeten Aufmerksamkeitshuren belästigt wurde - ohne dass es mir überhaupt aufgefallen wäre? Ich erinnerte mich, dass mir vor ein paar Tagen auf einmal grinsend aufgefallen war, dass ich in einem U-Bahn-Wagen saß, in dem nahezu alle Passagiere wie ich gekleidet waren: Schwarz, schmucklos & haltbar?

Ich entgegnete die erste Erklärung, die mir durch den Kopf schoss: "Vielleicht haben die jetzt alle bloß ne Freundin gefunden und lassen sich Bärte stehen?" Er kicherte. "Hipster ist einfach sowas von gescheitert. Die wollten alle anders aussehen und sahen am Ende doch alle irgendwie gleich aus."
"Ja," sagte ich, "alternativ."
"Ja, es ist wie die Punks! Das war mal cool und abgefahren für ein paar Jahre, und dann wurde es ein Trend."
"Punk war sowieso eine Erfindung der Modelabels."
"Oh ja! Wenn ich daran denke, was ich als Junge für mein Punk-Outfit ausgeben musste..."
"Genau das meine ich ja! Bekämpfe das System - für nur Neunzehn-Neunundneunzig...."

Aber diese ganze Unterhaltung stimmte mich absolut positiv: Denn, wie wir alle wissen: Nach dem Punk kam der Post Punk, der klebrige Sound der späten Siebziger und frühen Achtziger. Die Vorfahren von allem, was heute geil und krank in unserer Musik ist. Ich spreche von Lou Reed, Iggy Pop, Joy Division, Bauhaus, Sonic Youth, Throbbing Gristle, Soft Cell... und all den Freaks, die ihrem Beispiel folgten... ein goldenes Zeitalter!

ALSO: Wenn es falsch ist, dass "sich eh nie was verändert", weil die Welt zumindest zyklisch ist - und ich bin geneigt, das zu glauben, denn ansonsten könnte man nicht erklären, dass die Welt immer noch lustig ist - dannnnnnnnnnnnn sollte auf den Hipster eigentlich der Post Hipster folgen.

Bald ist die Kultur wieder auf unserer Seite.

22.09.14

Die Propagandaschau

I've got my Propaganda
I've got Revisionism
I've got my Violence in Hi-Def-Ultra-Realism
All a part of this great Nation!

Ich bin nicht der Community-Typ… und deswegen habe ich in den letzten 10 Jahren einfach so getan, als würde die deutschsprachige Blog-Community mit mir enden. Aber hin und wieder finde ich Perlen, die ich einfach verlinken muss - wie der Blog Die Propagandaschau, den ich eben entdeckte, nachdem ich "Wieso wurde Spiegel zu einem Propagandablatt?" googelte. Sehr lesenswert! Was ich immer voraussetze oder andeute wird da seeehr genüsslich seziert. Schaut mal vorbei & show them some love!

I've got my Fist
I've got my Plan
I've got Survivalism