16.04.14

Smile

Update der Woche: Der momentane Status der Welt.
Wünsche allen Lesern frohe Ostern!


Nordpolarregion
-Schmelzen der Polarregion legt klägliche Naturreserven (Öl, Gas) frei. Streit zwischen Russland und USA um Nutzung der Polarregion. 
-Alaskas weitere Ausbeutung derzeit nicht wirtschaftlich.
-Suspekte Veränderungen im Erd-Magnetfeld und globale Wetterkapriolen werden mit der "HAARP"-Forschungsstation der Amerikaner in Verbindung gebracht.

Nordamerika
-"Occupy"/Anonymous-Proteste
-Globalisierung
-USA investieren derzeit so viel in jährliches Militärbudget wie der Rest der Welt zusammen. Wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Kollaps. Sporadische Amokläufe in urbanen Zentren. Legalisierung von Marihuana. Obdachlosigkeit grassiert, medizinische Grundversorgung wird aktiv bekämpft. Kriegsheimkehrer-Generation desillusioniert. Mobilisierung letzter Naturreserven mittels gefährlicher "Fracking"-Technologie. Vorreiter auf der Privatisierung und Patentierung von Leben und Wasser.
-Konzerne erkämpfen Bürgerrechte
-Initiator des "Drone War", weltweiter Marktführer
-Investitionen in weltraumbasierte Waffen.
-Mexiko: "War on Drugs"
-Entwicklung einer privaten Militärindustrie
-Privatisierung des Strafvollzugs führt zu Masseninhaftierungen

Mittelamerika
-"Occupy"-Proteste
-"War on Drugs"
-Entwicklung einer privaten Militärindustrie

Südamerika
-"Occupy"-Proteste
-Emanzipationsbestrebungen, Neo-Bolivianismus
-Aufarbeiten der amerikanischen Geheimdienst-Interventionen
-Proteste in Venezuela
-Schwellenland-Status für Brasilien und Argentinien
-Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien

Südpolarregion
-Erneuter Ausbruch des "Things" im Jahr 2011.

Westeuropa
-Globalisierung
-Verteidiger der Energiewende
-Primäres Angriffsziel der NSA-Affäre
-"Occupy"/Anonymous-Proteste
-TIPP-Abkommen mit den USA gefährdet 200 Jahre hart erkämpfter Bürger- und Verbraucherrechte
-Verleiht die Nobelpreise
-Finanzkrise Euro-Krise, Massenarbeitslosigkeit, Demokratiekrise, Widererstarkter Nationalismus, Scheitern Pan-Europäischer Bemühungen, Brain-Drain von Süd nach Nord
-Fast vollzogene Tertiärisierung macht Ökonomie hochgradig instabil
-Krieg gegen Flüchtlinge
-Massenarbeitslosigkeit, Umschichtung unter Vorzeichen des "Struktur-" und "Gesellschaftswandels"
-Globale Waffenexporte
-Hat das Bankgeheimnis de facto abgeschafft; Berufsgeheimnisse diverser Berufsgruppen unterminiert
-Europäisches Weltraumprogramm i.F. der Finanzkrise nahezu gestoppt
-Frankreich: Erstarken rechtsradikaler Elemente
-Deutschland: NSU und der "Tiefe Staat"
-Großbritannien: Anti-Europäische Ressentiments, tragische Amerika-Nähe
-Politischer Druck auf die Schweiz führt zu Isolationismus
-Krieg um "Leistungsschutz", "Patente", und "Urheberrechte"
-Militärisches Engagement wo immer möglich
-Autonomiebestrebungen der Katalanen, Nord-Italiener, 
-Iren als einziges Volk stimmberechtigt bei EU-Ratifizierungen
-#Aufschrei-Debatte // Feminismus der 3. Generation
-Krise der Männlichkeit, Krise der Demokratie, Medienkrise, Krisenkrise und so weiter.
-Drogenwandel: Biologisch zu Chemisch/Medizinisch

Osteuropa
-Ukraine (Krim-Konflikt, Aufstände in Ost-Ukraine, Staatsstreich in Kiev)
-Truppenbewegungen der NATO (angekündigt) und Russland (dementiert)
-Unruhen in Bosnien und Herzegowina
-Proteste, Massenzensur in Türkei nach Korruptionsaffäre

Asien (Russland)
-Globalisierung
-Waffenexporte in die ganze Welt
-Besitzt den Edward Snowden-Joker
-Besetzung Tschetscheniens
-Georgien-Konflikt
-Ich-scheiß-dich-nicht-an-du-scheißt-mich-nicht-an-Allianzen mit allen autoritären Regimes der Welt
-Islamistische Terrorwelle
-Antihomosexuelle Propaganda

Asien (Fernost)
-Globalisierung
-Globale Waffenexporte
-China: Wettrüsten mit USA um weltraumbasierte Waffen. Inselstreit zwischen China und Japan beflügelt Nationalismus auf beiden Seiten.
-China: Xinjiang-Konflikt, Tibet-Konflikt, Bürgerrechtsbewegung und all die anderen Probleme, wenn eine Milliarden Kommunisten zu einer Milliarden Kapitalisten werden möchten.
-Wiederholte Muskelspiele zwischen Nord- und Südkorea. Moskau deckt den Norden, USA den Süden.
-Aufstände in den Philippinen
-Sunflower Protestbewegung in Taiwan (gegen wirtschaftliche Abhängigkeit von China).
-Terroranschlag in Thailand
-Terroranschlag in China

Asien (Nahost)
-"Arabischer Frühling" betrifft circa 22 Länder unmittelbar
-"Drone War" in Afghanistan, Pakistan, Yemen
-"Peak Oil" vor vier oder fünf Jahren
-Krieg in Afghanistan
-Guerilla-Krieg in Irak
-Krieg in Nordwest-Pakistan
-Bürgerkrieg im Yemen
-Israel/Palästina-Konflikt
-Terroranschläge im Libanon
-Entwicklung einer privaten Militärindustrie

Nordafrika
-"Drone War"
-Bürgerkrieg in Ägypten
-Bürgerkrieg in Syrien
-Flüchtlingsströme nach Europa und Russland
-Entwicklung einer privaten Militärindustrie

Zentralafrika
-Globalisierung (passiv)
-Nollywood größte Filmindustrie der Welt
-Krieg gegen klassische "Piraterie"
-Bürgerkrieg in Somalia
-Krieg in Nigeria
-Krieg im Süd-Sudan
-Krieg in Zentral-Afrika
-Terroranschläge in Somalia
-Terroranschlag in Kenia
-Terroranschlag in Madagaskar
-Antihomosexuelle Ausschreitungen und Propaganda

Südafrika
-Aufstände in der DRC
-Die Antwoord

Ozeanien
-Verschwundener Flug MH370 beflügelt weltweit Verschwörungstheorien
-"Occupy"-Proteste
-Papua-Konflikt
-Vergiftung der Weltmeere durch Plastik führt zu globalem Holocaust der Meere

Australien/Neuseeland
-Globalisierung
-"Occupy"-Proteste
-Träumen des Großen Traumes

05.04.14

Inventur meiner "Shit Hits The Fan"-Tasche

Die Idee hinter einer SHTF-Tasche (im Fach-Jargon auch "Bug Out Bag" genannt) ist es, für den Fall der Fälle (Kriegsausbruch, Zusammensturz des Systems, Naturkatastrophen, Terrorwellen, Massenpsychose, Zombieapokalypse, etc.) ein Notfall-Pack griffbereit zu haben, mit dem man seine unmittelbaren Überlebenschancen wird verbessern können.

Inventur meiner SHTF-Tasche (Work in Progress)

-1 Boonie Hat, grün, zusammengerollt
-1 Flasche Feuerzeugbenzin, 133 ml
-die Packung meines Böker-Messers, mit Zubehör und Schleifstein
-1 Batterie-Halter für 4 AA-Batterien (noch leer)
-1 LED Taschenlampe
-9 Alkaline AAA-Batterien (für LED-Taschenlampe und die Maglite Solitaire an meinem Schlüsselbund)
-1 Flachmann voll Tequila
-1 Tafel Vollmilchschokolade
-2 Packungen Instant Noodles (Pork und Chicken)
-1 Regenponcho, schwarz
-1 Fernglas
-2 Kerzen, in Frischhaltefolie gewickelt
-1 Schlagstock
-10 Brühwürfel "Fette Brühe", jeweils für 0,5 l
-10 Meter Wäscheleine
-1 Packung Taschentücher (als Klopapier)
-1 Packung Limonaden-Pulver, für 0,75 l
-2 Röhren Brausetabletten (Calcium +D3 und Magnesium)
-1 Militärkompass
-1 Fernglas
-1 Wasserfestes Notizbuch
-1 Kugelschreiber, 1 Bleistift
-1 Päckchen Zucker, 1 Päckchen Instant Kaffee, 1 Päckchen Instant Kakao
-1 sehr rudimentäres Näh-Set
-1 Rolle schwarzes Garn
-Feuerpack, bestehend aus wasserdicht verpackten Streichhölzern, Feuerzeug und Tampons (als Zunder) 
-1 loses Feuerzeug

Da ich seit einigen Jahren sowieso schon auf die verquere Stil-Sünde bestehe, Militär- mit Mafiosi-Look zu kombinieren, sollte meine ganz gewöhnliche Garderobe, kombiniert mit meinem Alltags-Equipment und dieser Tasche mir die ersten 48 Stunden zumindest etwas erleichtern.

Zu ergänzen wären derzeit:
-Vitamin C! Die Röhre steht gerade in der Küche… denn dieser SHTF-Tasche ist auch meine eiserne Reserve für Lebensmittel, und wenn ich pleite bin, ernähre ich mich eben daraus. Was auch erklärt, wieso obige Liste keine Konserven mehr enthält… also: Vitamin C und Proteinhaltige Nahrung, plus ein paar Panzerkekse, wenn ich mal wieder an einem Militär-Laden vorbei komme…
-Esbit-Grillanzünder. Ich hatte noch zwei Packungen davon, aber die gingen bei einer betrunkenen Balkon-Grill-Aktion letzten August leider alle drauf. 
-1 Löffel (das könnte ich sogar erledigen, sobald ich hier fertig bin…).
-1 Messer. Seit Tagen mache ich mein Zimmer schon links auf der Suche nach meinem alten Taschenmesser. Als Alternative hätte ich noch ein Schweizer Taschenmesser, aber das brauche ich zu oft im Alltag, als das ich es wegpacken wollte. Der Hobbyist in mir sagt, dass ich einfach ein neues Messer brauche… und ich habe auch schon eine Ahnung, welches…
-Kartenmaterial! Ein Fernglas und ein Kompass sind nützlich, aber ohne Karte eher witzlos. Meine Kalkulation ist, dass ich im Fall der Fälle Berlin über eine Nord-Ost-Achse zu Fuß verlassen werde. Mein Gedanke ist folgender: Wenn das Straßenverkehrsnetz und der ÖPNV zusammenbricht, möchte ich überall sein, nur nicht im Ballungszentrum. Bis die Situation überschaubar ist, sollte die Brandenburger Einöde noch die sicherste Wette sein… binnen des ersten Tages dort hin zu gelangen, ohne in Absperrungen, Flüchtlingslagern oder Flächenbombardements zu enden, wird die wahre Herausforderung.
-1 Weltempfänger-Radio. Die ganze Woche schon liefere ich mir Bieterschlachten auf eBay, um so einen alten Sony-Weltempfänger aus den 80ern für kleines Geld zu ersteigern. Wenn uns die Mediengeschichte eines gelehrt hat, dann dass das Radio in all seiner glorreichen Redundanz noch der krisensicherste Kommunikationskanal ist. Ein gutes Radio wird das iPhone der Armageddon-Generation sein.
-1 weitaus bessere LED-Taschenlampe. Was ich jetzt in der Tasche habe ist bloß das Werbegeschenk eines Grow-Shops - mit entsprechender Qualität. Nach sorgfältiger Recherche habe ich mir auf Amazon die beste Budget-LED-Taschenlampe geordert, die mein kleiner Geldbeutel für mein extravagantes neues Hobby hergeben kann - doch der Tenor in allen Survival-Ratgebern ist immer der gleiche: Du musst deiner Taschenlampe dein Leben anvertrauen können. [Anm.: Noch ehe ich den letzten Satz zu Ende tippen konnte klopfte mein Mitbewohner an der Zimmertür: "Post für dich," und überreichte mir feierlich einen kleines, in Plastik eingewickeltes Päckchen. "Juhu!" rief ich, "meine neue Taschenlampe!"]
-1 Festnetztelefon mit Schnur. Als Ergänzung zum Weltempfänger - da Strom und Telefonnetz unabhängig voneinander funktionieren, könnte man im Fall der Fälle noch über Landleitungen kommunizieren, lange nachdem der letzte Handy-Sendeturm seinen Geist aufgegeben hat. So ein Telefon braucht auch keine eigene Stromversorgung - ich hatte letztens im Media Markt eines in der Hand, das auch sehr kompakt war… vielleicht schau ich aber auch mal auf Amazon. Stichwort Telefon: Im Fall X würde ich keine SIM-Karte mit mir rumtragen wollen - damit peilen dich nur Drohnen an.
-2 Signalspiegel für Kommunikation. Und als Anreiz, endlich meinen Arsch hochzukriegen und den Morse-Code zu lernen.
-1 Vorrat an Drehtabak, wasserdicht verpackten Papers und mindestens eine Packung Filter. Für die Moral.
-An und für sich: Eine weitaus bessere Tasche! Was ich hier gerade verwende ist sowas wie eine etwas dünn geratene Camping-Kühltasche aus Nylon, der innen mit einer Art Reflektorfolie überzogen ist. Hatte am Anfang einfach nichts anderes griffbereit…
-Dann die Kernfrage: Soll ich Geld in ein Erste Hilfe-Pack investieren oder mir für das gleiche Geld lieber eine Brechstange besorgen? Die Frage ist sehr berechtigt, denn all diese Survivalist-Ratgeber blenden immer einen finsteren Punkt aus: Sie raten einem, Vorräte anzulegen, aber sie gehen nicht darauf ein, dass nach dem Zusammenbruch des sozialen Gefüges nach alter Väter Sitte das "Plündern" beginnt… und in einer Stadt, in der zehntausende Fahrzeuge die Straßen verstopfen, scheint das Auftreiben eines TÜV-geprüften Erste Hilfe-Koffers nichts zu sein, wofür man in Friedenszeiten sein hart verdientes Cash rausschmeißen sollte…

Gesegnet seien alle Formen der Redundanz.


[Dieser Artikel erschien 48 Stunden später spaßeshalber auch auf DerFreitag]

30.03.14

Ich sitz am Novoline und ich 'Kann nicht mehr gehen, kann nicht mehr gehen!'

K.I.Z. auf iTunes. Joint im Aschenbecher, der eigentlich eine Kaffeetasse ist. Kaffee in einer zweiten Tasse - bloß nicht verwechseln. Geöffnet: Browser, Textdokument, Ordner mit Clippings im .pdf-Format, Stichwortlisten.
Die Aufgabe: Schreiben.
Die Motivation: Ich werde dafür bezahlt.
Das Thema: Glücksspiel- und Automatenindustrie.
Das Problem: Tief verwurzelte Abscheu vor Idiotie und Bekanntschaft mit Betroffenen hindern mich, objektiv darüber zu schreiben.

Die Lösung: Unbekannt.
Angedachte Herangehensweisen: Herablassende Verachtung, differenzierte Zahlen-Argumentation, Fakten, Fakten, Fakten, Zorn des Gerechten, Benennung der Elefanten im Raum.

Zeitfenster: 9 Stunden.

Zu erledigen: Plusminus 18.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen)

Erfolgsaussichten: 95%

11.03.14

Im Westen wird sie untergehen

Die Entwurfsüberschrift für diesen Text lautete "Bane," und entgegen dem Trend der letzten Monate wird dies wieder die Art von Nonsense-Blog-"Post", bei der ich
-keine Ahnung
-keine Meinung und
-kein Konzept haben werde, was ich eigentlich von mir geben möchte. Alles, was zählt, ist der Drang: Manchmal ist Schreiben wie eine Morgentoilette. Manchmal fühlt man sich hinterher wirklich leer, befreit, bereit den Tag bei den Hörnern zu packen.

Noch immer verzweifele ich, wenn ich meine Optionen mit meinen tatsächlichen Möglichkeiten vergleiche, über meine Karriere meditiere oder mich zu lange in Single-Chats rumtreibe. Seit Januar versuche ich, eine Freie Mitarbeiter-Stelle bei einem deutschen Medienkonzern zu erhalten - aber guess what: Das sind auch nur geizige Menschenschinder. "Wie, du hast noch nie ein Praktikum gemacht?"

"Ich musste mir echt auf die Zunge beißen," würde ich später meinem Vater davon erzählen, "dem nicht ins Gesicht zu sagen: 'Nö, ich stamme schon aus einer Arbeiterfamilie, ich brauche keine Praktikas. Unsereins weiß schon, wie der Hase läuft. Scheiße fällt nach unten." Mein Vater verschluckte sich beinahe vor Lachen: "Ja, Sohn," rief er im Tonfall des Schwerhörigen, "das ist die richtige Einstellung! Nur so kommste heute zu was!"

Nachdem 2013 in Sachen Liebe ein weiterer Griff ins Damenklo war und ich mir mein Silvester von einer geltungssüchtigen russischen Bitch versauen ließ, wollte ich 2014 eine simple Theorie testen: Mit Geld hat man immer Erfolg bei Frauen, egal wie hoch sich die Charakterdefizite stapeln. Mit meinem arm, aber sexy-Style werde ich auf keinen grünen Ast mehr kommen… und die Hoffnung, Karriere ganz sein zu lassen und statt dessen professioneller Lover-Boy einer einsamen reichen Witwe zu werden, rückt in weiter Ferne. Es sind harte Zeiten - und zu viele liebenswerte, bettelarme Kerle verfolgen gerade dieses Ziel. 
Die Erfahrung lehrt mich, mich in Gebieten zu tummeln, wo praktisch keine Konkurrenz herrscht. Nicht, dass ich dafür nicht das mangelnde Selbstbewusstsein hätte - ich betrachte nur Konkurrenz in 95% aller zeitgenössischen Fälle als hoffnungslose Verschwendung von Zeit- und Nerven-Ressourcen.

Es stehen nur noch zwei finale Abschluss-Prüfungen auf der Loonie-versität an, dann bin ich endlich raus aus diesem unsäglichen Zwitter-Dasein des "Sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer-Studenten". Die KfW-Bank ist mir daher auch schon auf den Fersen… und ich habe immer wiederkehrende Flashbacks: Ich bin nicht 28, sondern 18, und  wieder in der selben Bredouille - die Schule ist bald vorüber, was soll ich jetzt bloß aus meinem Leben machen?

Verglichen mit den PR-Huren und den "Medienwissenschaftlern" erschien der Karrierepfad des Journalisten - zumindest, was ich darunter verstehe - von Jahr zu Jahr unattraktiver: Von dem, was ich so abstrahieren kann, siedelt der Deutsche Journalist unter den arbeitnehmernden Akademikern quasi als der Flaschensammler der Elite: Klar, er erfüllt eine nützliche Funktion, aber die Art und Weise, auf die er gezwungen ist, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, spiegelt den kaputten Zustand der Gesellschaft perfekt wider. 

Der Konzern-Typ erklärte mir: Drei Monate Praktikum seien die Voraussetzung, als "Fester Freier" in Betracht zu kommen, aber im nächsten Satz erklärte er auch, dass er noch nie mehr als 1.500 Euro für eine Feature-Story bezahlt hat. In meinem Kopf multipliziere ich das mit den Ausgaben, die das Heft pro Jahr hat, und erhalte als Ergebnis das unbedingte Bedürfnis, mich volllaufen zu lassen.

Selbst in den wenigen deutschen Blättern mit Prestige findet man Füller, egomanische Argumentationen, Infocalypse und schlicht kaschierten Internet-Spin… man betrachtet sich die herrschende politische Klasse, die es sich breit grinsend auf diesem Medien-Haufen gemütlich gemacht hat… fragt sich, wofür wir überhaupt noch ein Kartell-Amt haben… und schlussfolgert: Fuck it. Noch viele Mütter haben hübsche Arbeitgebersöhne.

"Herrgott," denke ich mir, "ich will mir doch nur ein bisschen Geld dazuverdienen für neue Klamotten, ein neues MacBook und ne Backenzahn-Krone. Ich kann und will arbeiten." Aber 28 Jahre kapitalistische Propaganda haben nun mal auch meine Lohnansprüche beflügelt! Dann denke ich an meinen Vater zurück, was er so verdient hat, am Fließband, ehe sie auch ihn gefeuert haben… und frage mich, ob wir den deutschen Journalismus nicht irgendwann auch nach Polen out-sourcen werden.

06.03.14

The Krim Reaper (Information War Correspondent)

"Es ist Krieg! Hörst du sie marschieren? Krieg! Pulvergestank!"

Manchmal schockiert mich mein eigenes Timing: Gerade erst habe ich "Metal Gear Solid 4" zum zweiten Mal durchgespielt und mein gesamtes Gehirn in Kriegs-Modus versetzt, da bricht auch schon ein wirklicher Krieg über meine Feeds herein.
Ich hatte MGS4 als Vorwand genommen, wieder Sun Tzu zu lesen - dessen "Art of War" ich seit letztem April in der exzellenten Übersetzung von Samuel Griffith besitze. Während meines Studiums versuchte ich mal, mich durch eine deutsche Übersetzung eines Billigverlags zu quälen, aber das endete in einem Clusterfuck fehlübersetzter Termini und verschwommener Nuancen. Griffith hat Ahnung von der Materie, das spürt man in jedem wohlgewählten Wort und jeder gut gemeinten Fußnote. Und wenn ich mich schon mit West Points Required Reading-List rumschlage, könnte ich auch endlich mal Carl von Clausewitz' "Vom Kriege" fertig lesen. Die ersten paar Kapitel davon führte ich mir damals in der alten Heimat zu Gemüte, in dem Sommer vor meiner Flucht. Meine Methode bei der Herangehensweise an Bücher war damals die selbe wie heute: Leihe dir in Bibliotheken und bestelle dir auf Amazon mehr Literatur, als du realistisch wirst lesen können - und beobachte dann, welches Buch sich gegen die anderen durchsetzen kann. Informationsdarwinismus.
Aber, so viel weiß ich mittlerweile über die Arbeitsweise meines beautiful minds, ich lerne durch (a) zyklische Wiederholung und (b) laterale Verknüpfung mit Begleitumständen. Während ich in der echten Welt also von "Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots" auf "Metal Gear Rising: Revengeance" umgestiegen bin (das alles natürlich in Vorbereitung auf "Metal Gear Solid 5: Ground Zeroes," das Ende des Monats erscheint), schließe ich gerade mit Sun Tzu ab & warte bereits mit zuckendem Technofuß den Postboten, der mir den Fall Clausewitz aushändigen wird… und heute Abend, nach getan'er Arbeit, steht eine weitere Runde Ukraine-Recherche an. Was die Sache weiter verkomplizierte war ein Laibach-Album, welches zu allem Überfluss am Montag auch noch erscheinen musste - die Implikationen für die gesamte Story waren immens. Die Recherchen taten meinen Stirnlappen weh aber, hey, was heißt hier Recherche? Information War Correspondent! Ich wurde geboren für diesen Job. Und ich bin, nach wie vor, Profi.

[Zum besseren Verständnis der folgenden Informationen empfiehlt sich das parallele Anhören des hierunter verlintek Liedes. Rezeptions-ästhetik ist ein wichtiger Primäraspekt des Online-Journalismus und sollte niemals, unter keinen Umständen, unter gar keinen Umständen, ich wiederhole, niemals, von der GEMA besteuert werden. GEMA, ich meine es ernst, Finger weg von meinen "älteren Rechten"!][Diese Randbemerkung wurde gesponsort von Blogger gegen GEMA-Wunschdenken und dem Weltkongress Nicht Zahlender Journalisten]




So weit verstehe ich "Die Schlacht um die Krim" mittlerweile:

Die Ukraine ist ein - mehr oder weniger - bedeutungsloses Land, das historisch immer wieder zwischen Europa und Russland hin- und her geschachert wurde. Als Staat fungiert es als Puffer zwischen Russland (und Weißrussland) im Norden sowie Osten und Eurpoa (in Form von Polen, Slovenien, Ungarn, Rumänien und Moldavien) im Westen. Strategisch wichtig ist die Krim-Halbinsel, da sie den Übergang zwischen dem Asowschen Meer im Norden und dem Schwarzen Meer im Süden kontrolliert. Quasi: Ivans Version der Meerenge von Gibraltar.
Die Ukraine (ich habe gelesen, Ukrainer würden es als unhöflich empfinden, wenn man es DIE Ukraine nennt, da dadurch angedeutet würde, dass es bloß ein Land sei und nicht der Staat. Ist das so?) war strategisch seit Alters her wichtig gewesen für Russland, da es den Zugang zum Schwarzen Meer kontrolliert - Russlands eisfreie Häfen… und zu Zarenzeit die einzige Chance, jemals Indien den Briten wegschnappen zu können. Lang ist's her...

Kuckst du hier (von Wikipedia entborgen):


Karten wurden in früheren Zeiten zur Navigation, zum Reisen und zum Erobern verwendet.
Auf dieser Karte ebenfalls zu sehen ist der ehemals obskure Wintersport-Ort Sotschi (rechts, nur ein Fliegenschiss über Georgien, wo Putin während der letzten Sommerolympiade einmarschierte) - eine Stadt, die die russische Staatsmacht in all ihrer Weisheit zu einem zentralen Nexus und globalen Begriff hochgerüstet hat. Einer meiner Freunde, dessen Eltern zum Feierabend nicht die deutschen, sondern die russischen Tagesthemen kucken, lachte darüber nur: "Halbfertige Hotels? Viel zu große Anlagen? Dass ich nicht lache! Putin hat das Ding zur Truppenausbildung bauen lassen, die refinanzieren die Kosten nur durch die Olympiade! Russland bildet seine Truppen nun mal in Winterregionen aus… aber wieso das nur in Sibirien machen?" Er bewundert Putin für sein pro-aktives Denken.

Erinnert ihr euch an die NATO? Selbst ein wohlstudierter Genosse war unlängst fest davon überzeugt, dass das "T" darin für "Trade" stünde und das ganze eine Wirtschaftssache sei. Aber nein! Die Nord-Atlantic-Treaty-Organisation wurde mit der expliziten Aufgabe gegründet, die Sowjetunion (das heutige Russland) von der Erdkarte zu fegen, sollte der Tag X je kommen. Die NATO ist auch die Organisation, die - im Sinne des Weltfriedens - aktiv versucht, eine Batterie von nach Osten (gegen Russland) gerichteter Raketenabwehrbatterien aufzustellen.
Das ganze fällt unter den breiteren Begriff der "NATO-Osterweiterung", bei der im Laufe der letzten Jahrzehnte mehr und mehr Länder des ehemaligen "Ostblocks" in den (mittlerweile global die Interessen der ersten Welt vertretenden) Wehrverbund eingetreten sind. 

Mit all dem [im] Hinterkopf, betrachtet mal folgende Karte.


Blau/Hellblau: NATO-Mitgliedsstaaten, Rot: Nicht-Mitgliedsstaaten, Grün: Anwärter, Tipp: Die beiden grünen Länder  (Ukraine und Georgien) hatten während der Wartezeit ihrer Anwärterschaft ebenfalls russische Einmärsche.
Die Ukraine ist - entschuldigt die Wortwahl - fucked. Als weitgehendes Relikt des Kalten Krieges wurde es von Europa, dann von Russland, dann von seinen Nachbarn überholt. Selbst wer nur passiv Nachrichten sieht, wird sich vielleicht dimm an die Geschehnisse der letzten Jahre erinnern: Viktor Yanukovych, der letzte Hitler Europas… durch Wahlbetrug an die Macht gekommen, von der Orangenen Revolution aus dem Amt gejagt… und dann vom Volk eiskalt wiedergewählt. Die ewigen Herausforderer, der von einem Giftanschlag gezeichnete Viktor Yushchenko und  Yulia Tymoshenko, die frisch befreite Gas-Oligarchin mit dem Sinn für Good Business.


"I-i-i-ch war zwar noch sehr klein, aber ich erinnere mich genau! I-i-i-ch f-f-f-ange in Odessa an, dann arbeite ich mich bis zur Krim vor…" - "Du bist TOT bevor du Kiev erreichst!"
Was führte nun zu dem, was sich gerade in den Newsfeeds entfaltet? Nun, zunächst einmal ist die Ukraine wirtschaftlich am Ende, die Staatskasse geplündert und Milliarden an Steuergeldern verschwunden. Der Funken, der das Fass nun zum detonieren brachte war das Scheitern eines Freihandelabkommens mit der EU (in der Hoffnung, mit Putin einen besseren Deal zu erhalten), was zu Protesten in der Hauptstadt Kiev geführt hat.
Dann (Gemurmel, Tuschel) Viktor Yanukovych verschwindet von der Bildfläche (unterdrücktes Husten, leises Kichern) ein Mann namens Arseniy Yatsenyuk wird zum Ministerpräsidenten gewählt (Applaus, Beifall) und die Berichterstattung ebbt ganz plötzlich ab… …bis am Samstag Berichte auftauchten, wonach überall auf der Krim'schen Halbinsel unkenntlich gemachte Truppenverbände Flughäfen und öffentliche Gebäude sichern. Hm, merkwürdig. Am Sonntag erklärt sich die Krim'sche Halbinsel zum souveränen Staat, und Russia Today verbreitet dazu ein Video vom vermeintlichen Krim'schen pro-russischen Separatistenführer, der Seite an Seite mit einem wenig motiviert wirkenden ukrainischen Marine-Admiral die Unabhängigkeit des Landes verkündet und das Kommando über die Streitkräfte nach Moskau abgibt.
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Das Ende vom Lied ist, dass niemand wirklich irgendwo einmarschiert ist. Die Verbände, die auf der Insel umherziehen, wurden als "lokale Schutztruppen" bezeichnet, die sich aus Ortsansäßigen rekrutierte - ein gut recherchierter Artikel nannte sie lakonisch "die wahrscheinlich best-ausgerüstete Lokalmiliz der Welt". Dass sich russische Einheiten auf der Krim befinden, war kein Geheimnis - die Russen mieten dort einen Marinestützpunkt. 
Nach und nach wurden die Stützpunkte des ukrainischen Militärs also von zwielichtigen (russischen?) Sonderkommandos besucht (mit russischen Kennzeichen), und - weitgehend erfolgreich - "in Verhandlungen verwickelt". Laut Medienberichten, das muss dazu gesagt werden, sei das ukrainische Militär seit 3 Monaten nicht mehr bezahlt worden.


Der aktuelle Stand, von dem ich weiß (Mittwochabend) ist der, dass bis auf wenige Verbände wohl alle der provisorischen Krim-Regierung untergeordnet haben bzw. in neutraler Position verharren, während wenige Stützpunkte ihre Loyalität weiter nach Kiev beschwören. Die Landzunge zwischen dem ukrainischen Festland und der Krim würde seit heute morgen gesichert werden. Putin widersprach gestern der Bezeichnung "Invasion": Man würde bloß russische Interessen in einer unsicheren, instabilen und potentiell revolutionären Situation wahren, mehr nicht. Er verweist auf die Zugeständnisse, die Yanukovych bereits getroffen hätte (und die ihn - de facto - entthront hätten), die Regierung Yatsenyuk, die von der westlichen Welt gerade mit Geldgeschenken geködert wird, nennt er nicht einmal beim Namen.
Angst vor Repressalien? "Heute ist alles mit allem vernetzt," meint Putin - alles was wir ihm noch antun könnten würde uns selbst am Ende mehr schaden.

Lektionen, die wir alle davon tragen können, damit wir, als menschliche Spezies, zumindest irgendwas daraus mit nehmen:

EU/Brüssel
-The Revolution will be televised: Die EU hätte den Propaganda-Faden nicht abreißen lassen dürfen, nachdem Yatsenyuk an die Macht gekommen war. Sie gab Putin die Steilvorlage, die Initiative zu ergreifen. Dabei tat er nonchalant das, was man in der ersten Welt - unter Gentlemen - natürlich nicht gern tut: Er konterte Informations- und Wirtschaftskriegsführung mit guter, alter, ehrlicher, zwanzigstes Jahrhundert Militärkriegsführung. Mit so etwas kann die EU nicht umgehen. Was wollen wir schon machen? Die deutsche U-Boot-Flotte aus Protest ins Schwarze Meer senden? Dass ich nicht lache!
-"Dein Geld ist nichts mehr wert!" Die Welt ist nicht dumm, die europäische Finanzkrise ist noch lange nicht vorbei, und die fickrigen Expansionsgespräche, die man gerade von überall her zwitschern hört ("Stärkere Rolle in Afrika", Osterweiterung, Ukraine, die Syrische Regierung stürzen, Anti-Russische Haltung, Ignorieren der Existenz Chinas) werden nun mal leider in genau diesem Kontext gesehen: Neue Märkte müssen erschlossen werden, jeder gut funktionierende Kapitalismus braucht dauernd eine neue unterste Reihe für sein Pyramidensystem, keep it coming baby, yeah, führ mich zum Schotter, yeah...

Russland/Moskau
-Come on! Ich mag Putin, an gewöhnlichen Tagen, aber mit dieser Aktion hat er seinen George W. Bush gebracht. Entweder ist ihm die Hybris nach dem Beinahe-Friedensnobelpreis zu Kopf gestiegen oder er hat es schlicht versäumt, sich seiner antifaschistischen Ausbildung zu erinnern. Ich empfinde Mitleid mit Putin, weil ich mich manchmal in ihm wiedererkenne: Ein Technokrat, der unter totalem Informationsüberangebot leidet.
-Zero-Sum, Zeroes and Ones…: Putins Strategie scheint es zu sein, niemals etwas zu begehen, wofür "der Westen" (quasi die NATO-Staaten) nicht bereits einen Präzedenzfall geliefert haben - und mit der schier endlosen Liste an globalen Vergehen der USA und diverser mehr kolonial angehauchter europäischer Staaten werden ihm sicher niemals die Rechtfertigungen ausgehen. Am Ende des Tages kann er sagen: Ihr kümmert euch um die Interessen eueres Netzwerks, ich muss mich um die Interessen meines Netzwerks kümmern - und das sind, weitestgehend, Russen. Ein sterbendes Volk mit starker Ostalgie und einer beinahe buddhistischen Seele.

USA/Washington
-Schizophrenes Auftreten: Außenminister Mr. Kerry (der in diesen Tagen hochgradig digital animiert wirkt, wie eine Pixar-Kreation) versucht auf der Welt Gehör zu finden, während Mr. Obama bereits jetzt den Elder Statesman mimt. Aber alleine schon dass die EU und Washington in dieser Sache nicht mehr unilateral vorgehen können spricht bereits Bände über den finsteren Graben, der sich zwischen den beiden Kontinenten aufgetan hat. Die Krise hat allerorts den Nationalismus beflügelt - und wie heißt es so schön? "Divided they fall."
-Viral Marketing is out: Bereits in deutschen Intallektuellen-Kreis ist das geflügelte Wort des "waffenfähigen Internets" angekommen. Ihr habt eueren Joker verspielt. Der Vorwurf ist folgender: Revolutionen, wie wir sie gerade allerorts #erleben, werden weitgehend von sozialen Netzwerken #weitergegeben, in deren Urbarmachung die #DARPA und #NSA Geld gesteckt hat. Das wussten wir schon lange. Die Frage, die sich stellt, ist dann folgende: Wenn alles, was du brauchst, um eine Regierung in den Augen der Weltöffentlichkeit  zu entmachten ein zentraler Marktplatz voll Demonstranten ist, den du Tag und Nacht filmen kannst wieso brauchst du dann überhaupt noch ein Militär im klassischen Sinne? 
-Spy Vs. Spy: Im Jahr 1 nach Snowden die eigenen Diplomaten von stumpfen europäischen Spionen abhören zu lassen ist sooo 2004.

Wenn Putin und alle anderen Nullsummen-Zyniker recht behalten, war das, was wir in der Ukraine (und unserem täglichen Medienrummel) miterleben durften, weniger spontan und weniger unabhängiger als alles, was wir für Gut und Wahr in politischem Protest erachten. Das einzige ethische Urteil, das wir fällen können, ist am Ende dies: Einzig das ukrainische Volk hat irgendein Anrecht, seine eigene Zukunft zu bestimmen. Die Karotten, die wir vor ihren Vertretern baumeln lassen - oder die Gewehrläufe, die wir hinter ihnen anlegen - sind eine Anmaßung und tiefster Ausdruck unserer politischer und gesellschaftlicher Verfassung, an der einzig wir, die Bürger, schuld sind. 


Viva la Revolution!
Was der Information War Correspondent in Kauf nehmen muss. Machtpolitik ist die Grauste Sache der Welt. Ein gigantisches Uhrwerk, das das Rad am laufen hält… uns den Hahn abdreht oder den Rubel rollen lässt. Die Amerikaner waren nach dem 11. September schockiert von dem, was sie "Kriegsführung der Vierten Generation" nannten, als terminus technicus für "Guerilla-" oder "Asymetrische Kriegsführung". Krieg, der gegen die Öffentliche Wahrnehmung selbst geführt wird, nicht gegen die reine militärische Kraft eines Gegners. Angriffe auf die Moral durch Terror, Propaganda, Desinformation, Spionage, Leaks, Finten, digitale Kriegsführung. Was an sich ja ein alter Hut ist: David besiegt Goliath, weil er schneller, kleiner und besser vernetzt ist. Aber das ist nun 13 Jahre her… und ein verwundeter Riese hat gelernt. Der Krieg des 21. Jahrhunderts wird in den Newsfeeds unserer Browser-Startseiten ausgetragen, und unsere Meinungen sind das wahre Schlachtfeld, das es zu erobern - und zu halten - gilt.
Oder, wie eine Kollegin von Russia Today es formulierte:



Fakt ist: Ich vertraue niemandem, der über diese Sache berichtet, und über kurz oder lang werde ich wohl niemandem mehr glauben, der überhaupt über irgendetwas berichtet! Genau so wenig, wie du als Leser mir vertrauen solltest und dem, was ich auf dieser Seite zusammengetackert habe, um meine Argumentation vorzuführen. Statt zu vertrauen möchte ich verstehen, die Umrisse eines Problems sichtbar machen und diese häßlichen, uralten und primitiven Mechanismen ans Tageslicht zerren, die wir immer und immer wieder dahinter erahnen können.